24. Mai 2009, eine Aaaaffeeeenhitze hier auf'm Balkon…

Liebe Trommler und Kollegen, liebe Zuhörer und Zuleser, liebe Kreative und Nachspieler, meine herzallerliebsten eigenständigen Persönlichkeiten, liebe Möchtegernweranderseins, liebe Musikliebhaber und Profilneurotiker, liebe Originale, liebe Plagiate, ihr lieben lauten Gitarristen (da gibt's leider kein Pendant), ihr schüchternen exzentrischen Keyboarder, liebe einsaitige bis sechssaitige Bassisten, mein lieber Rock'n'Roll und Jazz, liebe Angus Youngs und John Mc Laughlins, ihr Krawalltüten, ihr elenden, kurzum, all ihr Lärmpegel dieser Welt.
Liebe Greifenklauer und Mahr'schen Schafkopfgemeinden, liebe Rampe.
Haben wir jetzt alle? Da war doch noch was. Da fehlen doch noch welche. Aaaaah jaaaa: Liebe Musiklehrer!
Jetzt passt's. Heute geht's um

Bands und DVD's und Bücher und so Zeug…

Erstmal ein "Hinweis in eigener Sache", wie's im Radio immer heißt. Das gibt mir auch obendrein gleich die Gelegenheit, mich aus dem im Vorwort genannten, selbst verursachten Dilemma wieder rauszuwinden. Gegen's Nachspielen gibt es nämlich gar nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Nichts schult das Gehör besser, nichts entwickelt die eigenen Fertigkeiten am Instrument oder einer Stimme mehr als die Analyse und deren praktische Umsetzung. Da mag die Jazzpolizei einen roten Schädel kriegen oder nicht, das ist mir schnurz. Warum ich das schreibe, hat neben dem pädagogischen Wert folgenden Grund: Wir kochen da gerade was aus! Als gestandene oberfränkische Bamberger haben wir uns in den Kopf gesetzt, am zehnten Oktober diesen Jahres im Live Club zu Bamberg die laaaaange DEEP PURPLE Tribute Night abzuliefern.
Das heißt, das stimmt so auch wieder nicht. Von den sechs angetretenen Bambergern sind nämlich einer aus Kirchaich, einer aus Ebrach (ausgebrochen), einer aus Steinwiesen, einer aus London und einer sogar aus Suhl. London ist ja mental gesehen fast näher an Bamberg als Suhl, das merkt man schon daran, dass der Londoner im Gegensatz zum Suhler Deutsch spricht und eine Arbeit hat. Es geht also doch ziemlich international zu bei der Bamberger Deep Purple Combo. Die verschiedenen Mentalitäten unter einen Hut zu kriegen war gar nicht so einfach, aber wir haben jetzt schon zweimal geprobt. Und das Ding geht ab wie Schmidt's Katze. Das ist eine Urgewalt, durchaus vergleichbar dem hiesigen Landbier! Ich schwör's euch: Wenn nichts dazwischen kommt (z.B. dass der Suhler seine Aufenthaltsgenehmigung verliert oder sowas), dann wird das der Hammer. Ehrlich. Ich sage euch, ich als altes Lästermaul vor dem Herrn war selten von was so überzeugt. Mit einer Einschränkung im Klischee: Es bildet sich keiner von uns ein, dass er sich nen schwarzen Hut kaufen muss und jetzt Ritchie Blackmore heißt. Oder ist. Oder dass wir alle mit Kopftüchern und Sonnenbrillen rumlaufen oder so. Das sei nach wie vor religiösen Minderheiten und Leuten mit Identitätsproblemen überlassen. Tut uns echt leid, aber in optischer Hinsicht werden wir uns selber treu bleiben. Das hat zum einen seine Gründe in den eigenständigen Persönlichkeiten, die um keinen Preis der Welt jemand anders sein wollen, und zum anderen hält uns das doch eher fortgeschrittene Alter per Hormonhaushalt zwangsläufig davon ab, lange Haare zu tragen. Das hätte was Würdeloses. Womit uns schon mal gar nichts anderes übrig bleibt, als wir selbst zu sein. Wir könnten vielleicht, wenn's um die Optik geht, eher den Lärm irgendwelcher Skinheadbands nachspielen, aber von denen kommt einfach nix Gutes. Außerdem wäre da der Suhler als Ausländer nicht gern gesehen. Da lassen wir's doch lieber bei der Musik. Die ist in diesem Fall durchaus dazu in der Lage, für sich selbst zu sprechen, zu singen und zu spielen. Da leiste ich jeden Eid. DEEP PURPLE RULES!
Am 10. Oktober. Im Live Club. Von und zu Bamberg. Nähere Infos gibt's demnächst auf www.live-club.de.

Noch ne Sache, von der ich euch künden möchte, ist die, dass Hanjo Herböck ein Buch geschrieben hat. Wer? Hanjo Herböck, lebhaft nahe Stuttgart (von hier aus gesehen…) und seines Zeichens einer von uns. Trommler mit Leib und Seele. Vielleicht kann sich der eine oder andere noch an die "Externe Fahndungstruppe" erinnern. Da hat Hanjo unter anderem getrommelt. Zu Zeiten, als Musiker und Künstler noch politisch waren und nicht nur, wie dieser Tage so oft, anhand und aufgrund totaler Inhaltslosigkeit ins Fernsehen gelangten. Mittlerweile sieht es mit der Schlagzeugerei nicht mehr so gut aus: Hanjo hat MS. Multiple Sklerose. Keine Angst, er hat nichts dagegen, wenn ich das hier ausbreite, ich hab ihn vorher gefragt. Hanjo hat, statt aufzustecken und in Selbstmitleid zu zerfließen, den Spieß umgedreht und der Krankheit ordentlich Bescheid geschrieben.
Er erzählt in seinem Buch auf der Suche nach den Ursachen für "sein MS" sein bisheriges, ereignisreiches Leben: Geboren in Speyer, erzählt er vom Kindergarten in Düsseldorf, der Deutschen Schule in Teheran, Internatszeiten in Italien und der Rückkehr nach Deutschland, wo dann die Mukke abging. Das tut er obendrein noch mit einer gehörigen Portion Humor, was außen stehenden "Krankheitspuristen" mit der ihnen eigenen katholischen Gottesfurcht völlig unverständlich sein dürfte. Ich glaube, Hanjo sieht den Humor dort, wo sich einer das Lachen nicht verbieten lässt und sich getreu seinem Leitsatz "Gehe dem neuen Leben mit einem breiten Grinsen entgegen" trotzdem einen schmunzelt. Klaro, über Stil und Ausdrucksweise lässt sich lange diskutieren. Aber darauf kommt's nicht an. Es geht darum, dass da einer Stirn zeigt. Dass da einer nicht den Schwanz einzieht, sondern soweit und so lange wie möglich stehen bleibt. Allen Respekt aus der fränkischen Hälfte der Welt, Hanjo. Lass dich nicht unterkriegen!
Wer mehr wissen will und mag, kann sich hier www.triga-der-verlag.de oder unter www.amazon.de schlau machen. "MIR GEHT SO EINIGES DURCH DEN KOPF" eingeben, so heißt der Schmöker nämlich. Aber nicht bloß angucken. Der Hanjo hat bestimmt nix dagegen, wenn ihr euch auch eins kauft. Und lasst euch von dem Cover nicht abschrecken. Der Verlag hat, wie das Verlagswesen nun mal ist, darauf bestanden, dass da eine Deutsche Marschtrommel abgebildet werden muss. Wahrscheinlich, um die Seriosität zu wahren.
Hanjo ist aber ganz anders. Hanjo ist Rock'n'Roll!

Und noch ne Sache, von der ich euch künden möchte: Benny Greb's DVD "THE LANGUAGE OF DRUMMING".
Da weiß ich aber jetzt echt nicht, ob ich's schreiben soll oder nicht, weil Benny eben eine Klasse für sich ist. Da sollte man sich als Durchschnittsmukker eigentlich eher raushalten. Aber Rock'n'Roll ist eben nun mal, wenn man's trotzdem macht. Also: Benny's DVD ist mit ganz, ganz viel Liebe zum Schlagzeug und allem, was damit zusammenhängt, gemacht. Die Produktion war mit Sicherheit sündhaft teuer und bietet etwas, was andere Lehr - DVD's (natürlich auch aus Kostengründen) nicht haben: Das unterhaltende Element. Ähnlich wie in Hanjo's Buch wird da der Bezug zum Trommeln neben der unterrichtenden Seite auf ganz anderer Ebene hergestellt: Über den in unserer Branche verbotenen Humor. Allein das Intro der Doppel -DVD ist jeden Pfennig der vierzig Euro wert (Jaaaa, is ja gut! Tschuldigung. Cent natürlich…), welches da zeigt, was für nervenaufreibende Gesellen wir Trommler schon beim Frühstück sind. Es muss wirklich die Hölle sein, mit uns leben zu müssen. Außerdem hat Benny ein ebenso lehrreiches wie verblüffend einfaches System anzubieten, dass einen, wenn man's mal kapiert hat, mit einem Schlag um Jahre weiterbringt. Gibt's übrigens auch bei amazon sowie in jedem gut sortierten Fachgeschäft, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Sodeli. Jetzt langt's aber auch wieder mit der Beweihräucherung von Freunden, Kollegen und Zeitgenossen. Nicht dass mir noch einer denkt, die bezahlen mich alle für so was. Keine Panik, ich schreib' nur über Sachen, die mich selber bewegen. Trotzdem ist irgendwann mal Schicht. Außerdem hab ich jetzt keinen Bock mehr auf die Salbaterei. Ich geh jetzt, bevor mein alter Freund und Kupferstecher Bernie Zylka und ich nächste Woche mit der Spencer Davis Group zu neuen Abenteuern nach Schweden und Thüringen aufbrechen, noch mal in den Biergarten. Auf den Bierkeller, wie das bei uns heißt. Aber das ist ein anderes Thema und soll ein andermal besprochen werden…

Cheers, bis zum nächsten Mal, und Grüße von Hanjo soll ich euch noch bestellen…

Steff

PS: Weil die anderen von der Combo sonst rummaulen, weil sie nicht genannt worden sind, hier noch die Besetzung der laaaaangen Deep Purple Nacht:

Peter Metzner: Fresh Cream, Joe Root Band Gitarre
Thomas Wenzel: Second Try, Spiny Blues Pigs Gitarre
Stefan Stössel: Hale Bopp Organ Hammond B3!
Stephan Hänisch: Wolfgang Buck Band Drums
Steve Hyde: CHP Bass
Ich: Schreierei