| Bands und DVD's und Bücher und so Zeug…
Erstmal ein "Hinweis in eigener Sache", wie's im Radio
immer heißt. Das gibt mir auch obendrein gleich die Gelegenheit,
mich aus dem im Vorwort genannten, selbst verursachten Dilemma
wieder rauszuwinden. Gegen's Nachspielen gibt es nämlich gar nichts
einzuwenden. Im Gegenteil: Nichts schult das Gehör besser, nichts
entwickelt die eigenen Fertigkeiten am Instrument oder einer Stimme
mehr als die Analyse und deren praktische Umsetzung. Da mag die
Jazzpolizei einen roten Schädel kriegen oder nicht, das ist mir
schnurz. Warum ich das schreibe, hat neben dem pädagogischen Wert
folgenden Grund: Wir kochen da gerade was aus! Als gestandene
oberfränkische Bamberger haben wir uns in den Kopf gesetzt, am
zehnten Oktober diesen Jahres im Live Club zu Bamberg die laaaaange DEEP
PURPLE Tribute Night abzuliefern.
Das heißt, das stimmt so auch wieder nicht. Von den sechs
angetretenen Bambergern sind nämlich einer aus Kirchaich, einer aus
Ebrach (ausgebrochen), einer aus Steinwiesen, einer aus London und
einer sogar aus Suhl. London ist ja mental gesehen fast näher an
Bamberg als Suhl, das merkt man schon daran, dass der Londoner im
Gegensatz zum Suhler Deutsch spricht und eine Arbeit hat. Es geht
also doch ziemlich international zu bei der Bamberger Deep Purple
Combo. Die verschiedenen Mentalitäten unter einen Hut zu kriegen
war gar nicht so einfach, aber wir haben jetzt schon zweimal
geprobt. Und das Ding geht ab wie Schmidt's Katze. Das ist eine
Urgewalt, durchaus vergleichbar dem hiesigen Landbier! Ich schwör's
euch: Wenn nichts dazwischen kommt (z.B. dass der Suhler seine
Aufenthaltsgenehmigung verliert oder sowas), dann wird das der
Hammer. Ehrlich. Ich sage euch, ich als altes Lästermaul vor dem
Herrn war selten von was so überzeugt. Mit einer Einschränkung im
Klischee: Es bildet sich keiner von uns ein, dass er sich nen
schwarzen Hut kaufen muss und jetzt Ritchie Blackmore heißt. Oder
ist. Oder dass wir alle mit Kopftüchern und Sonnenbrillen rumlaufen
oder so. Das sei nach wie vor religiösen Minderheiten und Leuten
mit Identitätsproblemen überlassen. Tut uns echt leid, aber in
optischer Hinsicht werden wir uns selber treu bleiben. Das hat zum
einen seine Gründe in den eigenständigen Persönlichkeiten, die um
keinen Preis der Welt jemand anders sein wollen, und zum anderen
hält uns das doch eher fortgeschrittene Alter per Hormonhaushalt
zwangsläufig davon ab, lange Haare zu tragen. Das hätte was
Würdeloses. Womit uns schon mal gar nichts anderes übrig bleibt,
als wir selbst zu sein. Wir könnten vielleicht, wenn's um die Optik
geht, eher den Lärm irgendwelcher Skinheadbands nachspielen, aber
von denen kommt einfach nix Gutes. Außerdem wäre da der Suhler als
Ausländer nicht gern gesehen. Da lassen wir's doch lieber bei der
Musik. Die ist in diesem Fall durchaus dazu in der Lage, für sich
selbst zu sprechen, zu singen und zu spielen. Da leiste ich jeden
Eid. DEEP PURPLE RULES!
Am 10. Oktober. Im Live Club. Von und zu Bamberg. Nähere Infos
gibt's demnächst auf www.live-club.de.
Noch ne Sache, von der ich euch künden möchte, ist die, dass Hanjo
Herböck ein Buch geschrieben hat. Wer? Hanjo Herböck, lebhaft
nahe Stuttgart (von hier aus gesehen…) und seines Zeichens einer
von uns. Trommler mit Leib und Seele. Vielleicht kann sich der eine
oder andere noch an die "Externe Fahndungstruppe"
erinnern. Da hat Hanjo unter anderem getrommelt. Zu Zeiten, als
Musiker und Künstler noch politisch waren und nicht nur, wie dieser
Tage so oft, anhand und aufgrund totaler Inhaltslosigkeit ins
Fernsehen gelangten. Mittlerweile sieht es mit der Schlagzeugerei
nicht mehr so gut aus: Hanjo hat MS. Multiple Sklerose. Keine Angst,
er hat nichts dagegen, wenn ich das hier ausbreite, ich hab ihn
vorher gefragt. Hanjo hat, statt aufzustecken und in Selbstmitleid
zu zerfließen, den Spieß umgedreht und der Krankheit ordentlich
Bescheid geschrieben.
Er erzählt in seinem Buch auf der Suche nach den Ursachen für
"sein MS" sein bisheriges, ereignisreiches Leben: Geboren
in Speyer, erzählt er vom Kindergarten in Düsseldorf, der
Deutschen Schule in Teheran, Internatszeiten in Italien und der
Rückkehr nach Deutschland, wo dann die Mukke abging. Das tut er
obendrein noch mit einer gehörigen Portion Humor, was außen
stehenden "Krankheitspuristen" mit der ihnen eigenen
katholischen Gottesfurcht völlig unverständlich sein dürfte. Ich
glaube, Hanjo sieht den Humor dort, wo sich einer das Lachen nicht
verbieten lässt und sich getreu seinem Leitsatz "Gehe dem
neuen Leben mit einem breiten Grinsen entgegen" trotzdem einen
schmunzelt. Klaro, über Stil und Ausdrucksweise lässt sich lange
diskutieren. Aber darauf kommt's nicht an. Es geht darum, dass da
einer Stirn zeigt. Dass da einer nicht den Schwanz einzieht, sondern
soweit und so lange wie möglich stehen bleibt. Allen Respekt aus
der fränkischen Hälfte der Welt, Hanjo. Lass dich nicht
unterkriegen!
Wer mehr wissen will und mag, kann sich hier www.triga-der-verlag.de oder unter www.amazon.de schlau machen. "MIR GEHT SO
EINIGES DURCH DEN KOPF" eingeben, so heißt der Schmöker
nämlich. Aber nicht bloß angucken. Der Hanjo hat bestimmt nix
dagegen, wenn ihr euch auch eins kauft. Und lasst euch von dem Cover
nicht abschrecken. Der Verlag hat, wie das Verlagswesen nun mal ist,
darauf bestanden, dass da eine Deutsche Marschtrommel abgebildet
werden muss. Wahrscheinlich, um die Seriosität zu wahren.
Hanjo ist aber ganz anders. Hanjo ist Rock'n'Roll!
Und noch ne Sache, von der ich euch künden möchte: Benny
Greb's DVD "THE LANGUAGE OF DRUMMING".
Da weiß ich aber jetzt echt nicht, ob ich's schreiben soll oder
nicht, weil Benny eben eine Klasse für sich ist. Da sollte man sich
als Durchschnittsmukker eigentlich eher raushalten. Aber Rock'n'Roll
ist eben nun mal, wenn man's trotzdem macht. Also: Benny's DVD ist
mit ganz, ganz viel Liebe zum Schlagzeug und allem, was damit
zusammenhängt, gemacht. Die Produktion war mit Sicherheit sündhaft
teuer und bietet etwas, was andere Lehr - DVD's (natürlich auch aus
Kostengründen) nicht haben: Das unterhaltende Element. Ähnlich wie
in Hanjo's Buch wird da der Bezug zum Trommeln neben der
unterrichtenden Seite auf ganz anderer Ebene hergestellt: Über den
in unserer Branche verbotenen Humor. Allein das Intro der Doppel
-DVD ist jeden Pfennig der vierzig Euro wert (Jaaaa, is ja gut!
Tschuldigung. Cent natürlich…), welches da zeigt, was für
nervenaufreibende Gesellen wir Trommler schon beim Frühstück sind.
Es muss wirklich die Hölle sein, mit uns leben zu müssen.
Außerdem hat Benny ein ebenso lehrreiches wie verblüffend
einfaches System anzubieten, dass einen, wenn man's mal kapiert hat,
mit einem Schlag um Jahre weiterbringt. Gibt's übrigens auch bei amazon sowie in jedem gut sortierten
Fachgeschäft, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Sodeli. Jetzt langt's aber auch wieder mit der Beweihräucherung
von Freunden, Kollegen und Zeitgenossen. Nicht dass mir noch einer
denkt, die bezahlen mich alle für so was. Keine Panik, ich schreib'
nur über Sachen, die mich selber bewegen. Trotzdem ist irgendwann
mal Schicht. Außerdem hab ich jetzt keinen Bock mehr auf die
Salbaterei. Ich geh jetzt, bevor mein alter Freund und Kupferstecher
Bernie Zylka und ich nächste Woche mit der Spencer Davis Group zu
neuen Abenteuern nach Schweden und Thüringen aufbrechen, noch mal
in den Biergarten. Auf den Bierkeller, wie das bei uns heißt. Aber
das ist ein anderes Thema und soll ein andermal besprochen werden…
Cheers, bis zum nächsten Mal, und Grüße von Hanjo soll ich
euch noch bestellen…
Steff
PS: Weil die anderen von der Combo sonst rummaulen, weil sie
nicht genannt worden sind, hier noch die Besetzung der laaaaangen
Deep Purple Nacht:
| Peter Metzner: |
Fresh Cream, Joe Root Band |
Gitarre |
| Thomas Wenzel: |
Second Try, Spiny Blues Pigs |
Gitarre |
| Stefan Stössel: |
Hale Bopp |
Organ Hammond B3! |
| Stephan Hänisch: |
Wolfgang Buck Band |
Drums |
| Steve Hyde: |
CHP |
Bass |
| Ich: |
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Schreierei |
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