Diese Überschrift bedarf einer Erklärung. Da muss man schon ein
wenig ausholen. Aber umsonst steht's nicht da, es steckt schon was
dahinter. Ich fang mal bei den Parkwächtern und deren Kolleginnen,
den Parkwächterinnen an:
Eine von denen hat mir ein Ticket an die Scheibe gehängt, obwohl
meine Kiste gar nicht im Parkverbot stand. Nicht mal im
Eingeschränkten. Und auch nicht im Verkehrsgewühl einer
Großstadt, sondern draußen auf dem Lande. Wo sich Fuchs und Hase
gegenseitig neben meinem Auspuff eine gute Nacht wünschen. Dieses
Ticket hat mir ein dreiviertel Jahr an Rennerei von Pontius zu
Pilatus eingebrockt. Da hat sich danach keiner entschuldigt, da hat
keiner nachgedacht über die eigene Willkür, nichts dergleichen.
Kein Sterbenswörtchen. Lediglich einen Schrieb hab' ich nach langer
Zeit erhalten, dass man nun letztendlich widerwillig darauf
verzichten wird, mir das eh nicht vorhandene Haus samt dessen Hof zu
pfänden.
Ein wenig später hat mir derselbe
Von-drauß-vom-Walde-komm-ich-her-Verkehrsüberwachungsverein für
einen Monat meine Pappe abgenommen. Zugegeben, man fährt
normalerweise keine 61 km/h in einer Dreißiger-Zone. Tu ich ja
normalerweise auch nicht. Ich hatte halt das Pech, den
Parkwächter-Kolleginnen und Kollegen in die absichtlich am Waldrand
aufgestellte Falle zu fahren. Ohne jegliches ersichtliches
Gefahrenpotential. Keine Fahrräder, keine Kinder, auch ansonsten
keine Menschenseele. Nur ein einziges, mutterseelenalleiniges,
einsames Auto. Das allerdings mit so einem Drecks-Blitzgerät
bestückt war. So was kostet 120 Euro plus Bearbeitungsgebühr und
einen Monat Führerscheinentzug. Bei Wider- bzw. Einspruch
allgemeine öffentliche Ächtung innerhalb der Gemeinde inbegriffen.
Dieser unter grünem Deckmäntelchen versteckte Fanatismus, mit dem
das mittlerweile betrieben wird, kommt mir irgendwie bekannt vor.
Das erinnert mich irgendwie so an das Eva-Hermann-Sauberkeitsdenken.
Ich warte jeden Tag auf so Sätze wie "Der Hitler war schon
ganz in Ordnung. Wenn der mal bloß die Autobahnen NICHT gebaut
hätte". Dann aber auch Parkwächterinnen ab an den Herd! Der
Rest: Hacken zusammenhauen und mit kräftigem "Jawoll" an
die Blitzgeräte und Kugelschreiber.
Meinen Lappen hab ich abgegeben, als wir auf Tour gingen, weil ich
da ja eh nicht fahren muss und das Steuer meinem alten Freund und
Kupferstecher Bernie Zylka überlassen bleibt. Seinereiner nach wie
vor hoch angesehen und dementsprechend hoch geachtete
Respektsperson. Zumindest von meiner Seite aus. Was mich, ein
bisschen außenrumgedacht, sogleich zu den Rockstars führt, welche,
soweit mir zugänglich, durchweg männlich, ohne weibliches Pendant,
aber auch so schon schlimm genug:
Die Frühstückseier sind zu weich, zu hart, zu mittendrin. Der
Kaffee ist zu kalt, zu heiß, zu mittelmäßig. Der Honig ist nicht
der richtige. Auch nicht der Schinken, die Salami, die Milch oder
der O-Saft, welcher oft zu gelb, zu farblos. Die Gigs sind zu nah
beieinander, zu weit voneinander, liegen zu hoch oder zu tief. Im
Bus ist es zu warm, zu kühl. Von Nord nach Süd wird einem
angeraten, den umgekehrten Weg zu nehmen. Von Süd nach Nord
passiert selbstverständlich genau dasselbe. Nachts ist es draußen
viel zu dunkel, am Morgen viel zu hell. Das Hotel ist zu nah an der
Stadt, zu weit drin, zu weit draußen, das Bett zu warm, zu kalt,
die Luft zu feucht, zu trocken. Das Hotelrestaurant ist geöffnet,
man hat aber keinen Appetit. Wehe, es ist geschlossen, dann wird auf
weiten Hotelfluren gerne mal vor Hunger gestorben. Der Koffer zu
schwer, weil ohne Rollen, der Koffer zu leicht, weil mit Rollen
bestückt. Das Catering ist nie genug, weil nicht dazu da, um
gegessen zu werden, sondern um dem Rockstar Respekt zu zollen.
Nahrungsmittel als Dekoration, liebevoll zubereitet, um in die
Mülltonne zu wandern. Der Monitor ist zu laut, zu leise. Gut, da
muss ich ausnahmsweise beipflichten. Es gibt Techniker, die sitzen
eben nun mal bloß am Pult, um ihre Freundin zu beeindrucken. Das
heißt am nächsten Tag dann: "Gestern hab ich Rolling Stones
gemacht." Aber weiter im tagtäglich durchzustehenden
Repertoire: Die Raststätten sind zu dreckig, zu gepflegt. Die
Bild-Zeitung zu teuer, zu billig. Erdnüsse mit Schokoladenüberzug
sind zu süß. Die ohne sind viel zu salzig, die ohne Salz schmecken
nach gar nichts, gnagnagnagnagna….
Auf einen Nenner gebracht: Ich bin echt froh, dass ich kein Star
bin. Was mir da alles erspart bleibt! Da geh' ich auf so ner Tour
echt viel lieber mit meinem alten Freund und Kupferstecher Bernie
Zylka jeden Nachmittag zu Aufbau und Soundcheck und verbringe zwei
Stunden in Ruhe und Geselligkeit. Außerdem ist nachmittags das
Catering in der Garderobe auch noch zum Essen da.
Jetzt hätt' ich fast den Faden verloren. Das Wesentliche kommt ja
erst noch. Nämlich was Parkwächter(innen) und Rockstars gemeinsam
haben. Spannend, gell? Also:
| - |
Für beide muss ein Ticket bezahlt werden. |
| - |
Man fragt sich im Nachhinein bei beiden, ob das jetzt die
fünfundzwanzig Euro wirklich wert war. |
| - |
Beider Abenteuer stehen jeden Tag in der Zeitung. |
| - |
Beide sind der Meinung, als einziger Mensch dieser Welt dem
eigenen Beruf gerecht zu werden. Einige glauben gar, ihn
erfunden zu haben. |
| - |
Beide leben recht gut von dem Umstand, einst von jemand
anders auf's eig'ne Treppchen gehoben worden zu sein. |
| - |
Beider Nasen hängen höher als die Dachrinne des Bamberger
Doms. |
| - |
Beide waren mindestens (oder wenigstens?) einmal in ihrem
Leben zur richtigen Zeit am richtigen Ort. |
| - |
Beide empfinden sich selbst als unantastbare Institution und
werden von außen oft als Institution der Unantastbaren
gesehen. |
| - |
Beide werden allzu oft für die bloße Anwesenheit bezahlt. |
| - |
Beide verdienen eine Menge Geld mit der Fehlinterpretation
einer ursprünglich ziemlich guten Idee. |
| - |
Beide sollten ab und an auch mal die eigene Ventilstellung
überprüfen. |
Das macht richtig Spaß und ließe sich eigentlich tagelang so
fortführen. Wahrscheinlich geht das im Gästebuch auch weiter. Mal
gucken, wem da noch was einfällt. Übrigens hab' ich nach der
letzten Tour meinen Führerschein per Post wieder gekriegt und bin
nach ein paar Metern von den Fanatikern schon wieder geblitzt
worden. Mit 40 km/h in einer neuen 30er Zone. Das ist vielleicht der
einzige Unterschied zwischen Rockstars und Parkwächtern: Selber
blitzen und geblitzt werden. Aber da ich ja keiner bin (also
Rockstar jetzt, Parkwächter sowieso nicht!), hat sich das auch
erledigt.
Was anderes noch, weil ich gerade dran denk': Wir (ich sag' immer
"wir", dabei darf ich das laut alteingesessener
"Musikfans" überhaupt nicht, weil ich erst 1963 geboren
bin und kein Originalmitglied von der Band bin und zu aller
Frechheit auch noch die Trommelstöcke anders halte, ich Schelm,
hihihihi…) haben auf der letzten Tour mit dem Rock- und Popmuseum
in Gronau Bekanntschaft gemacht. Das steht natürlich am Udo
Lindenberg Platz, wo sonst, und offenbart sich als ein unbedingtes
MUSS! Wann immer ihr also in die Gegend kommen solltet, schaut's
euch an, es lohnt sich. Website gibt's auch: http://www.deutsches-rockmuseum.de/
.
Ansonsten freu ich mich auf anstehende Gigs mit den beiden Steves
und Winnie und CHP. Ich freu mich sogar riesig drauf! Nicht zuletzt
deswegen, weil da eine halbe Bier noch eine halbe Bier und die
Bratwurst noch eine Bratwurst sein darf.
Ohne Allüren.
Und mit gaaaaanz viel Senf!! |