Jetzt wird das alles schon durchsichtiger, oder? Ich muss
aufpassen und zusehen, dass ich die Vorfälle der letzten Monate in
möglichst satirisch - ironisch - sarkastischer Form niederschreibe.
Da hab ich nämlich gute Chancen, davonzukommen, weil die Satire
nämlich immer alles darf und in der Regel mit einem Strafmass von
unter zehn Jahren dabei ist. Dann passen Sie mal auf, was der Onkel
für Sie hat:
Stellvertretend für alle Widrigkeiten des Alltags scheint mein
Verhältnis zur Deutschen Telekom zu sein. Das ist schon seit Langem
so. Ich hab' mir da vor ein paar Jahren, schon damals mit dem
seltsam flauen Gefühl im Verdauungstrakt, das mich immer ereilt,
wenn ich dem Unbekannten und Dämonischen gegenüberstehe, von den
Brüdern einen DSL-Zugang installieren lassen. Es versteht sich ja
angesichts meines Pechs fast von selbst, dass der entgegen der
Meinung der Telekom nie richtig funktioniert hat. Das heißt, am
Werktag zwischen drei Uhr früh und nachmittags um vier war immer
alles in bester Ordnung, nur zwischen vier Uhr nachmittags und drei
Uhr morgens und am Wochenende, also in dem Zeitraum, in dem man
normalerweise E-mails abruft, ging halt eben nichts. Also gar
nichts. Und manchmal fielen die "normalen" Zeiten, in
denen das eigentlich immer ging, auch noch weg. Das wurde vor allem
immer dann peinlich, wenn Flüge für Tourneen anstanden und ich die
Ticketreservierungen von meinem alten Freund und Kupferstecher und
Tourmanager Bernie Zylka per E-mail bekommen sollte. Gehen Sie doch
mal am Frankfurter Flughafen an den Schalter und versuchen Sie, den
Leuten dort zu erzählen, dass Ihr Telekom-DSL nicht geht und Sie
deswegen Ihr E-Ticket nicht dabei haben. Aber das ist eine andere
Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Die Deutsche
Telekom jedenfalls versicherte mir auch nach dem hunderttausendsten
Anruf im "Callcenter" noch, dass der Anschluss in Ordnung
ist und die Leitung läuft, aber um wirklich sicher zu gehen, wird
man mir zum hunderttausendsten Mal einen Telekomtechniker [die
heissen eigentlich Telekomiker - Anm. des Webmasters]
vorbeischicken.
Die Telekomtechniker hier in der Gegend kenne ich mittlerweile alle
beim Vornamen. Die können auch nichts dafür und machen lediglich
ihren Job. Schließlich können die einem ja nicht erzählen, dass
das DSL gar nicht funktionieren kann, weil der Verteiler der Telekom
viel zu weit weg ist, als dass da noch was durchkommen könnte.
Diese Tatsache ist ein Ergebnis anderer Recherchen meinerseits. Die
Telekomtechniker und ich duzen uns, verstehen uns prima und wir
hatten so manch nettes Stelldichein bei mir in der Wohnung. Es gab
Tage, da standen mein Keller, mein Wohnzimmer, meine Küche und was
sonst noch dazugehört, voller Telekomtechniker. Man versicherte
sich gegenseitig, dass die Leitung in Ordnung sei, prostete sich in
Stunden der Geselligkeit fröhlich zu, tauschte je nach Laune hier
und da ein Döschen an der Wand aus, zupfte an diesem und jenem
Käbelchen und versicherte dem Kunden, dass man bereits Jahrhunderte
an Berufserfahrung hat und in solchen Fällen der Kunde sich
eventuelle Mängel meist nur einbildet.
Irgendwann im letzten Dezember kam's dann wie's kommen musste: Meine
Gastfreundschaft war erschöpft und schrie nach einer längeren
Pause, weswegen ich mich auf den langen und beschwerlichen Weg zur
hier ansässigen Telekomzweigstelle machte mit dem Ziel, dem
dortigen Chef meine Aufwartung zu erbieten und bei der Gelegenheit
nebst anderem die Kohle für die zahllosen Liter Kaffee für die
Stehpartys bei mir einzufordern. Nachdem ich nach einer halben
Stunde Wartezeit der Dame am Schalter mein Problem ausführlich
geschildert hatte, macht man mir den Vorschlag, zu mir in die
Wohnung einen Telekomtechniker zu schicken, der sich das Problem mal
aus der Nähe ansehen sollte. Das gäb's ja schließlich nicht, dass
da was nicht geht. Ungläubigstes Staunen blickte mir entgegen, als
ich der Dame erklärte, dass das im Moment nicht ginge, weil in
meiner Wohnung kein Platz wäre, weil da ja immer noch die anderen
Telekomtechniker drinstünden und sich gegenseitig versicherten,
dass mit der Leitung alles in Ordnung sei. Höchstens nach
Feierabend, wenn die anderen alle weg wären, da wär' dann wieder
Platz für neue. Diese Antwort brachte mir schließlich das ein, was
ich eigentlich wollte: Die Audienz beim Chef! Der Chef kam
lächelnd, hüftschwingend, locker und souverän, den Umgang mit
derlei Kundschaft gewohnt auf mich zu und versicherte mir zunächst,
dass mit meiner Leitung alles in Ordnung sei und ich mir deswegen
keine Sorgen machen sollte. Und ob denn schon mal ein
Telekomtechniker bei mir gewesen sei. Und das war der Punkt, an dem
Schluss war mit Lustig.
Mein armes, kleines, gepeinigtes Schlagzeugerköpfchen wuchs in
Sekundenbruchteilen um das dreifache an Volumen an und der Chef fand
sich ob des entweichenden Luftdrucks an der Wand wieder, die
Feinstruktur des Nadelstreifs leicht in den Gipsputz eingedrückt
und ein Muster edelsten Stoffes hinterlassend. Aber mit Erfolg!
Dachte ich wenigstens. Man sicherte mir nämlich an Ort und Stelle
noch eine Rückerstattung meiner blöderweise immer pünktlich
bezahlten Rechnungsbeträge zu, nebst einer Weiterleitung der von
mir geschilderten Missstände nach oben, also dorthin, wo einst Ron
Sommer fröhliche Urständ feierte und die ganze Nation zu
Aktionären machte, um dem Problem hier in der Gegend endlich Herr
zu werden. Mein DSL-Leitungsdefizit, müssen Sie wissen, ist
nämlich kein Einzelfall, und es haben mir Nachbarn versichert, dass
sie Ähnliches durchlitten haben und von der Telekom zumindest Teile
ihrer Rechnungsbeträge zurückerstattet bekamen. Es stand also
Kalkül hinter meinem Schuss vor den Bug. Dennoch meldete es sich
wieder, das seltsam flaue Gefühl im Verdauungstrakt, das mich immer
ereilt, wenn ich dem Unbekannten und Dämonischen gegenüberstehe.
Ich hatte das Gefühl, als würde ich ihn nie mehr wieder sehen, den
Chef, als er mich mit einem geübt - süffisanten "Ich-bring-Sie-noch-zur-Tür"
verabschiedete und sich dabei das tägliche "Ich-kann-mich-doch-hier-nicht-mit-jedem-Deppen-herumschlagen"
dachte.
Und so war's auch. Meinem flauen Gefühl vertrauend, machte ich
mich daran, einen zusätzlichen Anbieter im Deutschen Kabelnetz zu
aktivieren, was dann auch von demselben in Windeseile erledigt
wurde. Schwein gehabt! Es änderte sich nämlich nichts. Gar nichts
an dem DSL-Zugang der Telekom, der ja nach wie vor bestand. Und ich
hab' auch nie mehr wieder was gehört vom Chef. Einen Monat später
habe ich aber Post gekriegt, die Telekom Rechnung. Und jetzt kommt
das, was das Deutsche "SIE" rechtfertigt: Die Telekom hat
mir am Tage meiner Chefaufwartung, nämlich am dreizehnten Dezember,
fristlos gekündigt und mir, ha, ha, ha, den von mir zuviel
bezahlten Betrag vom dreizehnten Dezember bis Jahresende
gutgeschrieben. Also die achtzehn Tage nach der fristlosen
Kündigung, in denen ich den Zugang gar nicht mehr nutzen konnte,
weil er ja fristlos gekündigt war. Jetzt stellen Sie sich doch mal
vor, Sie müssten den Chef der Telekomzweigstelle duzen. Das wäre
so, als ob Sie ihn schon lange kennen würden und er so was wie
einer Ihrer Kumpels wäre. Völlig inakzeptabel, oder? Das klingt
doch so viel, viel schöner: "Nehmen SIE Ihre Gurken und Ihre
Tomaten, Herr Rosa Riese, und stecken Sie sich selbige dahin, wo die
Sonne niemals scheint und kein DSL der Welt funktionieren kann. Ich
betone: SIE!! Und seien Sie bloß froh, dass ich nicht mein alter
Kumpel Klaus Fuchs bin!"
So. Jetzt ist es raus. Das wird zwar an der Deutschen Telekom
nichts ändern, tausende dieser Vorfälle von Abzocke und Betrug
werden weiterhin im Sande verlaufen, aber mir geht's jetzt besser.
Bleibt noch zu erwähnen, dass ich mit dem Techniker von Kabel
Deutschland bereits auf "Du und Du" bin. Prima Kerl
übrigens.
Wenn jemand wissen möchte, wie's uns (Spencer Davis Group) auf der
letzten England Tour ergangen ist, den muss ich diesmal auf Eddie's website
verweisen. Es wäre zu teuer für mich, darüber auch noch
herzuziehen, ich kann mir schon die Anwälte für die Telekom nicht
leisten Außerdem hat Eddie das bereits getan. Der war noch nie so
sauer!!
Tschüß, bis nach der nächsten Tour.
Stefffffff
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