14. Februar 2007

Das hier hat jetzt wieder mal NICHTS mit Musik zu tun. GAR NICHTS! Das gibt's, wie schon so oft, erst beim nächsten Mal wieder. Ich möchte erst mal Dampf ablassen und damit Raum für Anderes schaffen.
Dazu muss ich Ihnen zunächst etwas erklären und möchte bei der Gelegenheit auch das förmliche Deutsche "SIE" in der Anrede anwenden. Zum Üben. Es wird sich im Laufe dieser Schilderung näher herausstellen, warum das diesmal so ist. Im Laufe der letzten Wochen musste ich nämlich von meiner ursprünglichen Meinung abweichen und feststellen, dass das Deutsche "SIE" durchaus seine Vorzüge hat. Es gewährt eine gewisse Distanz zu Leuten, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun haben möchte, leider aber zu tun haben muss. Andererseits kann man damit auch, so wie jetzt beabsichtigt, ein breiteres Publikum ansprechen, ohne dass sich gleich einer angepisst fühlt. Das war die Einleitung.
Weiter:
Das klingt jetzt blöd, aber sei's drum. Nehmen wir mal an, Sie kaufen sich beim Gemüsehändler zwei Gurken und sechs Tomaten, kommen dann nach Hause, öffnen die Tüte und stellen fest, dass lediglich eine Gurke drin ist. Was tun Sie? Sie gehen natürlich zurück zu Ihrem Gemüsehändler und weisen ihn auf seinen Irrtum hin mit der Bitte, selbigen mittels Befüllen Ihrer Tüte mit dem von Ihnen bereits erworbenen Gemüse aus der Welt zu schaffen. Der Gemüsehändler jedoch weigert sich, das zu tun, mit der Begründung, dass Sie die Tüte in der Erwartungshaltung, dass da auch alles drin ist, mit nach Hause genommen haben. Außerdem ist das alles bereits bezahlt und das Werbeheftchen des Gemüsehändlers sagt ganz deutlich, dass die Tüten immer voll sind. Das muss Ihnen genügen. Was tun Sie? Wenn Sie Einer vom Schlage meines alten Kumpels Klaus Fuchs sind, hau'n Sie dem Gemüsefritzen gleich eine runter, und seinem dämlich in der Ecke vor sich hin grinsenden Gemüsefritzenlasterfahrer gleich mit. Sollten Sie jedoch von friedfertigerer Natur sein, was die meisten von uns ja auch sind, nehmen Sie Ihr Tütchen und denken sich, dass sich das Prozessieren bei den paar Pfennigen eh nicht lohnt und dass der Tag schon noch kommen wird, an dem der Gemüsedrecksack an den Falschen gerät. Was ich damit erklären will: Unser Gemüseschweinehund verkörpert in diesem lustigen kleinen Märchen nichts Geringeres als

Das Geschäftsprinzip der Deutschen Telekom!!!

Jetzt wird das alles schon durchsichtiger, oder? Ich muss aufpassen und zusehen, dass ich die Vorfälle der letzten Monate in möglichst satirisch - ironisch - sarkastischer Form niederschreibe. Da hab ich nämlich gute Chancen, davonzukommen, weil die Satire nämlich immer alles darf und in der Regel mit einem Strafmass von unter zehn Jahren dabei ist. Dann passen Sie mal auf, was der Onkel für Sie hat:

Stellvertretend für alle Widrigkeiten des Alltags scheint mein Verhältnis zur Deutschen Telekom zu sein. Das ist schon seit Langem so. Ich hab' mir da vor ein paar Jahren, schon damals mit dem seltsam flauen Gefühl im Verdauungstrakt, das mich immer ereilt, wenn ich dem Unbekannten und Dämonischen gegenüberstehe, von den Brüdern einen DSL-Zugang installieren lassen. Es versteht sich ja angesichts meines Pechs fast von selbst, dass der entgegen der Meinung der Telekom nie richtig funktioniert hat. Das heißt, am Werktag zwischen drei Uhr früh und nachmittags um vier war immer alles in bester Ordnung, nur zwischen vier Uhr nachmittags und drei Uhr morgens und am Wochenende, also in dem Zeitraum, in dem man normalerweise E-mails abruft, ging halt eben nichts. Also gar nichts. Und manchmal fielen die "normalen" Zeiten, in denen das eigentlich immer ging, auch noch weg. Das wurde vor allem immer dann peinlich, wenn Flüge für Tourneen anstanden und ich die Ticketreservierungen von meinem alten Freund und Kupferstecher und Tourmanager Bernie Zylka per E-mail bekommen sollte. Gehen Sie doch mal am Frankfurter Flughafen an den Schalter und versuchen Sie, den Leuten dort zu erzählen, dass Ihr Telekom-DSL nicht geht und Sie deswegen Ihr E-Ticket nicht dabei haben. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Die Deutsche Telekom jedenfalls versicherte mir auch nach dem hunderttausendsten Anruf im "Callcenter" noch, dass der Anschluss in Ordnung ist und die Leitung läuft, aber um wirklich sicher zu gehen, wird man mir zum hunderttausendsten Mal einen Telekomtechniker [die heissen eigentlich Telekomiker - Anm. des Webmasters] vorbeischicken.
Die Telekomtechniker hier in der Gegend kenne ich mittlerweile alle beim Vornamen. Die können auch nichts dafür und machen lediglich ihren Job. Schließlich können die einem ja nicht erzählen, dass das DSL gar nicht funktionieren kann, weil der Verteiler der Telekom viel zu weit weg ist, als dass da noch was durchkommen könnte. Diese Tatsache ist ein Ergebnis anderer Recherchen meinerseits. Die Telekomtechniker und ich duzen uns, verstehen uns prima und wir hatten so manch nettes Stelldichein bei mir in der Wohnung. Es gab Tage, da standen mein Keller, mein Wohnzimmer, meine Küche und was sonst noch dazugehört, voller Telekomtechniker. Man versicherte sich gegenseitig, dass die Leitung in Ordnung sei, prostete sich in Stunden der Geselligkeit fröhlich zu, tauschte je nach Laune hier und da ein Döschen an der Wand aus, zupfte an diesem und jenem Käbelchen und versicherte dem Kunden, dass man bereits Jahrhunderte an Berufserfahrung hat und in solchen Fällen der Kunde sich eventuelle Mängel meist nur einbildet.
Irgendwann im letzten Dezember kam's dann wie's kommen musste: Meine Gastfreundschaft war erschöpft und schrie nach einer längeren Pause, weswegen ich mich auf den langen und beschwerlichen Weg zur hier ansässigen Telekomzweigstelle machte mit dem Ziel, dem dortigen Chef meine Aufwartung zu erbieten und bei der Gelegenheit nebst anderem die Kohle für die zahllosen Liter Kaffee für die Stehpartys bei mir einzufordern. Nachdem ich nach einer halben Stunde Wartezeit der Dame am Schalter mein Problem ausführlich geschildert hatte, macht man mir den Vorschlag, zu mir in die Wohnung einen Telekomtechniker zu schicken, der sich das Problem mal aus der Nähe ansehen sollte. Das gäb's ja schließlich nicht, dass da was nicht geht. Ungläubigstes Staunen blickte mir entgegen, als ich der Dame erklärte, dass das im Moment nicht ginge, weil in meiner Wohnung kein Platz wäre, weil da ja immer noch die anderen Telekomtechniker drinstünden und sich gegenseitig versicherten, dass mit der Leitung alles in Ordnung sei. Höchstens nach Feierabend, wenn die anderen alle weg wären, da wär' dann wieder Platz für neue. Diese Antwort brachte mir schließlich das ein, was ich eigentlich wollte: Die Audienz beim Chef! Der Chef kam lächelnd, hüftschwingend, locker und souverän, den Umgang mit derlei Kundschaft gewohnt auf mich zu und versicherte mir zunächst, dass mit meiner Leitung alles in Ordnung sei und ich mir deswegen keine Sorgen machen sollte. Und ob denn schon mal ein Telekomtechniker bei mir gewesen sei. Und das war der Punkt, an dem Schluss war mit Lustig.
Mein armes, kleines, gepeinigtes Schlagzeugerköpfchen wuchs in Sekundenbruchteilen um das dreifache an Volumen an und der Chef fand sich ob des entweichenden Luftdrucks an der Wand wieder, die Feinstruktur des Nadelstreifs leicht in den Gipsputz eingedrückt und ein Muster edelsten Stoffes hinterlassend. Aber mit Erfolg! Dachte ich wenigstens. Man sicherte mir nämlich an Ort und Stelle noch eine Rückerstattung meiner blöderweise immer pünktlich bezahlten Rechnungsbeträge zu, nebst einer Weiterleitung der von mir geschilderten Missstände nach oben, also dorthin, wo einst Ron Sommer fröhliche Urständ feierte und die ganze Nation zu Aktionären machte, um dem Problem hier in der Gegend endlich Herr zu werden. Mein DSL-Leitungsdefizit, müssen Sie wissen, ist nämlich kein Einzelfall, und es haben mir Nachbarn versichert, dass sie Ähnliches durchlitten haben und von der Telekom zumindest Teile ihrer Rechnungsbeträge zurückerstattet bekamen. Es stand also Kalkül hinter meinem Schuss vor den Bug. Dennoch meldete es sich wieder, das seltsam flaue Gefühl im Verdauungstrakt, das mich immer ereilt, wenn ich dem Unbekannten und Dämonischen gegenüberstehe. Ich hatte das Gefühl, als würde ich ihn nie mehr wieder sehen, den Chef, als er mich mit einem geübt - süffisanten "Ich-bring-Sie-noch-zur-Tür" verabschiedete und sich dabei das tägliche "Ich-kann-mich-doch-hier-nicht-mit-jedem-Deppen-herumschlagen" dachte.

Und so war's auch. Meinem flauen Gefühl vertrauend, machte ich mich daran, einen zusätzlichen Anbieter im Deutschen Kabelnetz zu aktivieren, was dann auch von demselben in Windeseile erledigt wurde. Schwein gehabt! Es änderte sich nämlich nichts. Gar nichts an dem DSL-Zugang der Telekom, der ja nach wie vor bestand. Und ich hab' auch nie mehr wieder was gehört vom Chef. Einen Monat später habe ich aber Post gekriegt, die Telekom Rechnung. Und jetzt kommt das, was das Deutsche "SIE" rechtfertigt: Die Telekom hat mir am Tage meiner Chefaufwartung, nämlich am dreizehnten Dezember, fristlos gekündigt und mir, ha, ha, ha, den von mir zuviel bezahlten Betrag vom dreizehnten Dezember bis Jahresende gutgeschrieben. Also die achtzehn Tage nach der fristlosen Kündigung, in denen ich den Zugang gar nicht mehr nutzen konnte, weil er ja fristlos gekündigt war. Jetzt stellen Sie sich doch mal vor, Sie müssten den Chef der Telekomzweigstelle duzen. Das wäre so, als ob Sie ihn schon lange kennen würden und er so was wie einer Ihrer Kumpels wäre. Völlig inakzeptabel, oder? Das klingt doch so viel, viel schöner: "Nehmen SIE Ihre Gurken und Ihre Tomaten, Herr Rosa Riese, und stecken Sie sich selbige dahin, wo die Sonne niemals scheint und kein DSL der Welt funktionieren kann. Ich betone: SIE!! Und seien Sie bloß froh, dass ich nicht mein alter Kumpel Klaus Fuchs bin!"

So. Jetzt ist es raus. Das wird zwar an der Deutschen Telekom nichts ändern, tausende dieser Vorfälle von Abzocke und Betrug werden weiterhin im Sande verlaufen, aber mir geht's jetzt besser. Bleibt noch zu erwähnen, dass ich mit dem Techniker von Kabel Deutschland bereits auf "Du und Du" bin. Prima Kerl übrigens.
Wenn jemand wissen möchte, wie's uns (Spencer Davis Group) auf der letzten England Tour ergangen ist, den muss ich diesmal auf Eddie's website verweisen. Es wäre zu teuer für mich, darüber auch noch herzuziehen, ich kann mir schon die Anwälte für die Telekom nicht leisten Außerdem hat Eddie das bereits getan. Der war noch nie so sauer!!
Tschüß, bis nach der nächsten Tour.
Stefffffff

PS: Webmaster ZAPPPA (ja, mit drei "p") ist diesen Monat Papa geworden. Papa Zapppa. Endlich trifft's mal zu. Hähähä! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, ZAPPPA!!!!