| Das heißt aber nicht, dass ALLES glatt ging. Ich
lass ein bisschen was weg und fang' bei der Ankunft am nächsten Tag
am Flughafen London - Heathrow an. Lest 's aufmerksam durch, es wird
sich lohnen! Ich kann euch versichern, dass sich das alles so
zugetragen hat.
KEINE LÜGE!
Als wir aus dem Zug von Paddington kommend nachmittags um
halbzwei ausstiegen, fiel uns zunächst mal die laaaaaaaaaaaange
Schlange vor Terminal 2 auf. Es stellte sich raus, dass das gesamte
Terminal evakuiert worden war. Keiner wusste, warum. Informationen
waren nirgends zu bekommen. Bis auf die eine Lautsprecherdurchsage,
bei der es auch für die nächsten paar Stunden bleiben sollte:
"Betreten sie auf keinen Fall Terminal 2! Für weitere
Informationen wenden Sie sich bitte an Ihre Fluggesellschaft."
Und da ging's jetzt schon wieder los mit dem Englischen
Organisationstalent: Wo befanden sich die Schalter der jeweiligen
zuständigen Fluggesellschaften? Ihr ahnt es: Auf Terminal 2. Das
war aber evakuiert. Keiner rein, keiner raus. Wir haben dann in
Frankfurt bei der Lufthansa angerufen. Die sagten uns, dass sie
nichts wüssten, weil die Lufthansa-Schalter in Heathrow ja
evakuiert waren und deswegen keiner ans Telefon konnte.
Nach den Erfahrungen der letzten UK Tour machten Bernie und ich uns
schon mal für die Übernachtung auf den Flughafenfliesen fertig. Es
sollte sich herausstellen, dass wir damit gar nicht mal soooo
Unrecht hatten. Es passierte nämlich nichts. Also nichts für
Stunden. Rein gaaaar nichts. Nachdem wir vor lauter Langeweile
fünfmal nach Terminal 1 und wieder zurückgerannt waren, passierte
dann doch was: Die BBC rückte an. Die hatten nämlich auch
spitzgekriegt, dass sich da was nicht reimte.
Und jetzt kommt der absolute Hammer, Freunde!
Da standen ungefähr 1200 Leute rum. Alle mittlerweile ziemlich
verwirrt und verwahrlost. Wen pickt die BBC mit vorgehaltener Kamera
für ein Interview aus der Menge?
MEINEN alten Freund und Kupferstecher BERNIE ZYLKA!! Bernie
erzählte der nette jungen Dame, dass er das, was sie wissen will,
selber nicht weiß, weil er ja nicht wusste, was da los war, und
kurze Zeit später erschienen die messerscharfen Gesichtszüge von
MEINEM alten Freund und Kupferstecher BERNIE ZYLKA in England bei
den Breaking News auf der Glotze, wo er der Nation erzählte, dass
er das, was die Nation wissen wollte, auch nicht weiß, weil er ja
nichts wusste. Mann, war ich vielleicht stolz!
Mit der Zeit erschienen eine Menge Feuerwehrautos, Polizeibusse,
Spürhundtransporter, Krankenwagen und alles, was dazugehört. Nur
Information kam nach wie vor keine.
Bis neben uns eine Tür aufging, deren Existenz uns bis zum Aufgehen
verborgen war. Da kamen drei Flughafenangestellte raus und fingen an
zu Rauchen wie die Narren. Einer hat mir erzählt, dass er
eigentlich schon seit drei Stunden zu Hause sein wollte, aber sein
Hausschlüssel war leider in seinem Büro im Terminal 2, und nach
dem Mittagessen haben sie ihn da nicht mehr reingelassen, weil da
schon alles evakuiert war, als er zurück kam. Ich hab' ihm
ersatzweise meine Schlüssel angeboten, weil ich sicher war, dass
ich die heute nicht mehr brauchen würde, und hab' ihm eine
Zigarette angeboten. Der Gag hat das Eis gebrochen und der Mann
erzählte uns, was da eigentlich war: Irgendein (bitte die Wortwahl
zu entschuldigen, aber) Arschloch ist zu den Schaltern einer
Fluggesellschaft reingegangen, deren Name hier nicht fallen soll,
hat ein Päcken hingeschmissen und ist abgehauen.
Verständlicherweise wurde die Hütte dann dichtgemacht.
Unverständlicherweise aber kam niemand von den jeweiligen
Fluggesellschaften, um die Leute zu beruhigen oder ihnen zu
erklären, dass das alles in ihrem Interesse geschlossen ist. Und
der Flughafenangestellte hat mir dann das erzählt, was ich schon
seit Jahren vermute: Es findet einfach keine interne Kommunikation
der Zuständigen statt. Informationsaustausch scheint gegen die
Interessen einzelner Abteilungen zu sein. Wie auf der letzten UK
Tour bei uns. Jetzt weiß ich, woher's kommt! Ihre Bestätigung
findet die Aussage des netten Flughafenangestellten im Folgenden:
Nach vielen Stunden des Wartens wurden plötzlich alle
Polizeibarrieren innerhalb von zwei Minuten abgebrochen, und
Terminal 2 war ohne jeden Hinweis plötzlich offen. Das hatte
natürlich zur Folge, dass 1200 Leute das Teil stürmten. Die
wollten ja nach Hause. Oder verständlicherweise einfach weg da.
Und jetzt kommt noch mal der absolute Hammer, Freunde!
Im Gebäude stand ein Mann, der 1200 Leuten mitteilte, nicht zu
ihren Abfertigungsschaltern zu gehen, sondern sich stattdessen in
den ersten Stock zu begeben. Was wir auch taten. Im ersten Stock
stand ein Mann, der uns mitteilte, wir möchten uns bitte zum
anderen Ende des Gebäudes begeben. Was wir auch taten. Am anderen
Ende des Gebäudes stand eine Frau, die uns mitteilte, wir möchten
uns bitte über den Gepäckwagenabgang nach unten ins Erdgeschoss
begeben. Wir langten uns spätestens da zwar alle ans Hirn, gingen
aber trotzdem zurück nach unten. Wieder im Erdgeschoss angekommen,
stand da wieder ein Mann, der uns mitteilte, wir möchten uns zum
anderen Ende des Gebäudes begeben. Also zu dem Eingang, durch den
wir reingekommen waren. Spätestens jetzt war uns allen klar, dass
die schwer einen an der Klatsche haben, wir gingen aber trotzdem
zurück. Und glaubt's oder glaubt's nicht: Am Eingang zum Ausgang
stand noch ein Mann, der uns alle da wieder rausschickte, wo wir
reingekommen sind. Noch Fragen? Da standen also 1200 Leute genau
wieder da, wo sie angefangen hatten. Die Türen des Terminals
schlossen sich, und wir alle glotzten uns fassungslos an. Bis auf
ein paar Schwaben. Die platzierten kurzerhand ihren Koffer auf der
Mitte der Strasse und fingen auf demselben an, einen munteren Skat
zu klopfen.
Das nenne ich Stil! Respekt! Fast schon Fränkisch!
Weiter geht's: Die Tür ging auf, ein roter Kopf kam raus und
brüllte die Leute an, sie sollten sich gefälligst zur anderen
Straßenseite begeben, sonst kämen sie hier nämlich überhaupt
nicht rein!
Und dann kam eine Lautsprecherdurchsage, die uns allen vor Lachen
die Füße unter den Beinen wegzog:
"Herr Gustav Müller (oder wie immer der hieß…), begeben Sie
sich bitte zu ihrem Flugschalter in den ersten Stock!"
Haben Sie schon mal 1200 Leute lauthals Lachen hören? Es wurden
Rufe laut wie "Viel Glück, Kumpel!", "Good Luck,
mate!" oder "Sag nen schönen Gruß, wenn du zu Wort
kommst, Gustav!"
Die Menge beruhigte sich schließlich wieder und das Warten ging
erneut los. Nach einer weiteren Stunde wurden schließlich die
ersten Österreicher zum Flug nach Wien gerufen. Nicht viel später
waren wir auch dran. Nach dem Einchecken mussten wir Spencer's
Gitarre (die wir für ihn wegen der morgen anstehenden
Deutschlandtour mit heimgenommen haben) zum Sperrgepäck bringen.
Ein ausgehungert dreinblickender junger Angestellter schickte uns
abermals zum anderen Ende des Gebäudes, wo aber keiner am Schalter
war. Eine erneute Anfrage bei einem anderen Angestellten ergab, dass
sich der Schalter für's Sperrgepäck unglaublicherweise an der
anderen Seite des Gebäudes befand. Nochmal hundert Kilometer
laufen! Aber das wenigstens stimmte dann.
Wir hatten die Klampfe los, gingen durch's Gate (wo die uns
übrigens aus Kontrollgründen unsere Turnschuhe ausziehen ließen.
Das hat vielleicht gemüffelt da. Die Turnschuhe von 1200 Leuten…)
und trafen lustigerweise noch Terry Evans und seinen Schlagzeuger,
die sich das Geschehen schon seit längerer Zeit von der anderen
Seite anguckten. Eigentlich wollten wir mit den Zweien noch
Spaghetti essen gehen, aber da wurde der Flug nach Frankfurt
angezeigt und wir rannten zum Gate, nicht wenig verwundert über den
plötzlich so raschen Ablauf der Dinge. Und hier ist nochmal der
absolute Hammer, Freunde! Nach dem Abstempeln der Boarding Card kam
stundenlang KEIN Transportbus zum Flieger. Die Nachforschungen der
völlig überforderten, bereits mit einem Bein im Narrenhaus
stehenden, aber trotzdem total netten Dame vom Boarding Card
Schalter ergaben, dass unglaublicherweise einer der
Gepäcktransporter auf dem Weg zu irgendeinem Flieger sein Gepäck
verloren hatte, welches sich nun in langer Reihe auf dem Rollfeld
herumfläzte und den Busverkehr zum Erliegen brachte. Irgendjemand
schien sich dann letztendlich erbarmt zu haben, den Krempel
wegzuschieben, denn wir saßen auf einmal im Flieger nach Frankfurt.
Diese Geschichte hat sich so zugetragen, wie ich sie aufgeschrieben
habe.
Vielen Dank auch an dieses dämliche Arschloch, das das Päckchen da
rein geschmissen hat!
Ich muss jetzt in die Koje, Leute, morgen früh ist die Nacht rum,
wir gehen auf Tour.
Wo wir zuerst hinmüssen?
Nach Frankfurt. Zum Flughafen. Die Anderen holen.
Sie kommen von Heathrow…. |