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Die lustigste und damit Krönung aller Unterkünfte bei dieser
Tour jedoch schien mir ein schwimmendes Nachtlager namens "FLOATEL"
zu sein. Das ist tatsächlich, wie die lustige Wortspielerei bereits
verrät, ein schwimmendes Hotel. Es schwimmt in einer Art
abgelegenem Nebenbecken eines romantischen Flüsschens vor sich hin.
Und weil das Wasser, in dem jenes Kleinod schippert, sich so gut wie
gar nicht bewegt, müffelt's halt im Sommer auch dementsprechend.
Die Hütte und die Brühe stinken aus allen Poren. Sowohl im Hotel
wie auch außen vor. Man hatte die Wahl zwischen Teufel und
Beelzebub: Zwischen Chlorgestank und Müffelmoder bei geschlossenem
Fenster oder Müffelmoder und Mörderschnakeninvasion bei
geöffnetem Fenster. Also Fenster zulassen, Koffer geschlossen
halten und unausgezogen AUF der Bettdecke (wegen der
Infektionsgefahr) vor sich hindämmern, bis es dem Morgen graut.
Und wie um den roten Faden beizubehalten wurden wir bei so vielen
Nächten ohne Schlaf als unangenehme Begleiterscheinung auch bei den
Musikclubs nicht mit offenen Armen empfangen. Wär' ja auch zu
einfach gewesen. Die normalerweise vertraglich zugesicherten
Aufbauhelfer waren grundsätzlich nie da. "We expect them in
about half an hour" hieß jedes Mal soviel wie "Wir haben
niemanden und ihr kriegt auch niemanden. Macht eueren Kram
selber!". Soviel haben wir gelernt. Helfershelfer sind nie da
gewesen. Und dass sie angefordert waren, war jedes Mal glatt
gelogen. Jeden Tag. Also selber machen. Jeden Tag zwei Stunden
aufbauen und zwei Stunden abbauen.
Einmal hat einer mitgeholfen. Der hat einen ungefähr 10x10x20
Zentimeter kleinen Hochtöner reingetragen. Das hat er tatsächlich
ganz alleine gemacht. Der war dann aber auch völlig überarbeitet
und urlaubsreif, der Knabe.
Aber nicht dass einer auf die Idee kommt, die vier Stunden
Mehrarbeit jeden Tag hätten sich dementsprechend auf meine Kohle
ausgewirkt. Keinen Penny! Höchstens auf meine drei
Bandscheibenvorfälle. Da hat sich's ausgewirkt.
Eigentlich hätten wir einfach wieder nach Hause abhauen sollen,
denn "Wenn wir ihnen schon nichts zu Essen geben", so
haben sich die Clubbetreiber gedacht, "dann geben wir ihnen
auch nichts zu Trinken. Nicht mal ne Flasche Wasser." Und so
war's auch. Nicht mal ein Glas Wasser. Nicht mal ein Schluck. Colin
hat mal in einem dieser freundlichen Clubs nach einem Sandwich
gefragt. Antwort: "Sorry Sir, I'm afraid Sandwich is not on the
menu". Eine seltsame Eigenart englischer Musikclubeigentümer.
Immer höflich, nett und freundlich erklären sie dir, dass du dem
Hungertod geweiht bist und sie nichts dagegen tun können. In den
meisten Fällen ist nämlich alles, was Gastfreundschaft ausmacht,
"against the law". Übersetzt hört sich die tägliche
Dauerlitanei der Clubbetreiber ungefähr so an: "Es tut mir
leid, mein Freund, aber Kaffee gibt's hier nicht. Geschweige denn
Wasser. Ich darf dir keines geben. Das ist gegen das Gesetz. Leider
gibt's hier auch nichts zu Essen. Ich bin gezwungen, dir das zu
verweigern, sonst verliere ich meinen Job. Beeilt euch doch bitte
mit dem Aufbau, wir erwarten unsere Gäste heute früher. Und
könntet ihr bitte nach dem Auftritt noch zwei Stunden warten, bevor
ihr mit dem Abbau anfangt? Da läuft nämlich noch Disco mit 280
Dezibel, und unsere Gäste sollen nicht gestört werden, während
sie sich nach eurem Konzert bewusstlos saufen und Leute anpöbeln…."
Es geht immer um Geld. Überall. Das weiß ich, ich hab' nämlich
auch keins. Aber eins ist sicher: Jeder Veranstalter diesseits des
Ärmelkanals, und wenn's der größte Gauner auf Gottes Erdboden
ist, würde sich für derlei Zustände in Grund und Boden schämen
und sich selber drei Jahre wegen Missachtung der Menschenrechte
einsperren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal auf die Idee
kommen würde, die Existenz zünftiger Feuerwehrfeste in Laibarös
oder wo auch immer zu rechtfertigen. Die unergründlichen Tiefen
unserer musikalischen Wanderschaften jedoch haben mich wieder einmal
in ihrer unendlichen Weisheit eines Besseren belehrt: Rock'n'Roll,
du hast mich nie geliebt! In diesem Sinne wieder mal:
"Die Händeeeeeeeeeeeee zum Himmmäääääääl, kommt lasst
uns fröööööhlich sein….."
Das entbehrt zwar jeglichen Niveaus, sättigt aber ungemein… |