31. Mai 2005

Sodeli, da sind wir wieder. Hat ein bisschen gedauert, aber Webmaster Zapppa und ich waren bei dem Wetter nicht aus dem Biergarten rauszukriegen. Weil's aber endlich mal geregnet hat, ging am Ende doch was.
Kann sein, dass dieser Rückblick auf's erste Mal den Eindruck hinterlässt, als würde ich das Ganze nur widerwillig betreiben. Ich kann euch aber versichern, dass das Gegenteil der Fall ist. Ich find's eben nur lustiger, von den Ereignissen auf Tour zu berichten, die so ganz und gar nicht in das Klischee des erfolgsverwöhnten Rockmusikers passen. Es drückt mir immer wieder das breite Grinsen ins Gesicht, wenn ich an die Gaudi denke…
Also dann woll'n wir mal:

Die "Vom A-TEAM zum C-TEAM" - Tour, SPENCER DAVIS GROUP April - Mai 2005

Bernie Zylka, der König der Strasse, und meine Wenigkeit sind am 28. April nach Hannover gefahren, um den Tourbus abzuholen. Der Knabe, der uns das Ding vermietet hat, kam eine Stunde zu spät, weil er vergessen hatte, den Wagen voll zutanken (…und das war erst seine erste Lüge…), aber dann hatten wir das Teil. Chromfelgen, tiefer gelegt, verdunkelte Fenster, Klimaanlage, Soundsystem mit Subwoofer, DVD Player mit Riesenbildschirm und eine Karosserie schwarz wie meine Seele.
Wenn sich jemand noch an das A-TEAM Action - Wohnmobil aus der Glotze erinnern kann: Genauso sah der Bus aus! Jede einzelne Schweißnaht rief: "Klau mich, brech mich auf!!!" und sämtliche Goldkettchenträger drehten sich nach uns um. Nach drei Tagen hatten wir dann auch raus, wie man den Subwoofer ausschaltet und die Kiste in der Spur hält.
Und damit erstmal ab in den Osten, wo der erste Tiefschlag wartete.
Die geliehenen Drums für die ersten Gigs (Oldie Festivals wie bei Inge und Heinz…) klangen und sahen so aus, als wären sie wieder mal beim dem Nachbarn ausgeliehen, dessen Sohn vor zwölf Jahren in einer Punkband gespielt hat, die sich dann auflöste, weil das Klebeband zum Felle flicken alle war. Ein Gig abends um acht, dann zwei Stunden Fahrt und der nächste Gig nachts um zwölf. Als Auftakt schon mal ein ganz schönes Brett. Dann folgten ein paar richtig schöne Gigs in beim Wendelsteiner Festival, in Wuppertal, in Bünde beim Liverpoolclub (mit Ten Years After und Iron Butterfly), in Tübingen und im Salzburger Rockhouse (Wer mehr über die Clubs und Vereine wissen möchte, siehe "Links" auf dieser Website…)
Zu der Zeit tauchten dann die ersten üblichen Gemeinheiten auf. Bei Pressefotos von der Band wurde bei einer Veranstaltung meine Wenigkeit digital rausgenommen, auf einem Eintritts-Ticket war das Band-Foto abgedruckt und die Perforation so angebracht, daß meine Wenigkeit beim Einlass abgerissen wurde, ein Kritiker hat geschrieben, daß ich mich stark an Iron Butterfly anlehne, weil wir am Tag davor mit denen zusammen auf einem Festival gespielt haben und lauter so Käse. An Iron Butterfly kann man sich doch gar nicht mehr anlehnen, Mensch! Die sind doch auch schon ein bisschen älter und würden so viel Körpergewicht gar nicht mehr wegstecken! Zweitens hab' ich den Gig von Iron Butterfly ehrlich gesagt gar nicht gesehen, ich war da noch am Trommelstimmen. Naja. Macht nur, Jungs. Passt schon. Was juckt es die stolze Eiche, wenn sich die Wildsau an ihr reibt…
Dann kam auch schon der Tag des Abschieds. In Emmering bei München. Im Hinterhof des dortigen Tanzsaales mussten wir nämlich unseren Bus umtauschen. Der Vermieter brauchte den für ein paar immens wichtige Geschäftsleute und überließ uns dafür einen Mercedes Sprinter, der unter Kaiser Napoleon schon bessere Tage gesehen hat. Das Ding hatte ein Halbautomatikgetriebe, mit dem man statt einparken mehr so "eingaloppieren" musste oder so was. Irgendwie ruckweise halt; Bernie musste die Entfernungen zum nächsten Auto mehr so in Sprüngen abschätzen, deren Länge immer unterschiedlich war. Die Hecktür war auch ein Thema für sich, die ließ sich erst schließen, nachdem sie von zwei Leuten angehoben und in die Karosserie gedrückt wurde. Und wenn man mit Hilfe einer ausklappbaren Stufe eingestiegen war, ließ sich die Seitentür nur mit vereinten Kräften unter zu Hilfenahme der Fliehkraft beim Bremsen zumachen. Definitiv vom A-TEAM zum C-TEAM!!
Wir haben uns drauf eingelassen, weil der Typ uns einen noch besseren Bus als den ersten innerhalb von drei Tagen versprochen hat. Weder ihn noch einen anderen Bus haben wir je wieder gesehen….
Weiß der Teufel wie viele Kilometer haben wir in dieser Affenschaukel zugebracht haben. Das Gepäck ging nicht hintenrein, dazu war die Kiste zu kurz, und so waren wir über zwei Wochen jeglicher Beinfreiheit beraubt. Grauenhaft.
Dafür liefen aber die Gigs bis auf ein- zwei Ausnahmen richtig gut. Wir hatten weiß Gott überall ein klasse Publikum in Hildesheim, Hamburg (Downtown Bluesclub), Isernhagen (Bluesgarage) und Kiel.
Das Stadtfest in Minden war vielleicht ein bisschen seltsam organisiert: Wir spielten da vor ca. 8000 Leuten mitten in der City. Amtliche Bühne, amtliche PA, gute Techniker. Aber neben unserer Bühne war eine zweite aufgebaut, die uns mit 220 db von der rechten Seite aus einer Nebenstrasse raus beschallte. Mit diversen Karaokekünsten. Von nachmittags um halbzwei bis nachts um eins. Durchgehend. Und mein Hotelzimmerfenster war sogar noch näher dran. Natürlich haben die auch weitergemacht, während wir versucht haben, unseren Gig zu spielen.
Die Leute in unserem Publikum kriegten das gar nicht mit, weil die Strasse im rechten Winkel abknickte. Dafür kriegten wir auf der Bühne ein umso lauteres "Eeeeeeeeeeeeeä gehöääät zu miiiäääää, wi main Naaaaaaaame an der Tüäääääääää…" ab.
Ich konnt' gar nicht einzählen, weil die Band das gar nicht hörte. Wir sind dann per Blickkontakt und Handzeichen irgendwie durchgekommen.
".…undichweiß eä bleibt hiääääääääääääääää…."
Bis nachts um eins. Und der Moderator erst. Der war noch lauter als die Sänger. "Tjaaaa, das war Sylvia mit einer grandiosen Version von ‚Schööön istesaufderWeltzusein', meinesehrverehrten Damunherrnapplausapplaus wundäbaaa was für ein Talent….!!!!!!!!!!!"
Danach war dann endlich ein off-day in Aschaffenburg angesagt! Gigs im Collossaal, in K'town Kammgarn, Lorsch Rex Moonwalker Club Aarburg und schließlich der letzte in Lennestadt beim sogenannten Colafest, wo ich tatsächlich die Uschi Nerke kennen gelernt hab. Uschi hat seiner(oder ihrer)zeit den BEAT CLUB und später den MUSIKLADEN moderiert. Für die Jüngeren unter euch: Das waren Fernsehsendungen, wo Leute richtige Instrumente in den Händen hatten und richtig gesungen haben. Ohne danach von Dieter Bohlen gesagt zu kriegen, ob sie was gekonnt haben oder nicht. Da haben Leute dann Schallplatten von den Musikern gekauft, die ihnen gefallen haben. Also ohne daß Dieter Bohlen gesagt hat, dass ihnen das jetzt gefallen darf oder nicht. Jaja, das könnt ihr ruhig glauben. Sowas gab's mal. Echt jetzt! Und die Musiker hatten nicht mal einen Sprachfehler und haben sogar gesungen statt schnell zu sprechen. "Isch" und "Misch" wurde damals noch "Ich" und "Mich" ausgesprochen. Ehrlich! War so! Aber das ist laaaange her…
Ansonsten sollte BERNIE ZYLKA's Monstergrippe nicht unerwähnt bleiben. Wir haben allen Ernstes überlegt, die Scheibenwischer außen wegzumachen und innen anzubringen, weil Bernie die Scheibe so eingesaut hat. Angesichts der Qualität der Wischblätter haben wir's dann aber gelassen. Bernie ist einfach unglaublich. Schläft nie, arbeitet 25 Stunden am Tag und ist ein Tier von einem Tourmanager, Fahrer, Roadie, Bandpsychologen und Kumpel!
Und Miller Anderson hat er nebenbei dann auch noch angesteckt. Miller ist der Rotz ununterbrochen gelaufen, er hat trotzdem gesungen wie Pavarotti…
Erstaunlich auch: Colin und ich haben mit dem Rauchen aufgehört. Für acht Stunden. (War aber Colin's Schuld, der hat als erster wieder angefangen…)
Eddie Hardin wollte eigentlich auch mitmachen, hat aber den Braten gerochen und vorsichtshalber gleich noch ein paar Schachteln Rothmann's mehr gekauft (Sein Tourbericht steht unter www.eddiehardin.com …)
Unglücklicherweise ist dann am Schluss doch noch was passiert: Irgendwo auf der A3 hat's mächtig geknallt, und Spencer war weg. Geplatzt. Einfach so. Nur seine Schuhe sind stehen geblieben. Tragisch, tragisch…

- Auf der Tour gelesene Bücher:

                  Traudl Junge - Bis zur letzten Stunde
                  MERCEDES SPRINTER - Wie helfe ich mir selbst?

- Bester Monitorsound: Rockhouse Salzburg! Wow!

So, dann hätten wir's ja schon für heute. Zapppa und ich gehen wieder in den Biergarten, bevor ich im Juli für sieben Gigs nach Australien fliege. Nur kein Neid, gelle!!
Halt, das hier noch: Für Kritiker und solche, die es werden wollen: Der Download mit dem Trommelsolo steht jetzt auch! Hört's euch mal an. Bevor aber wieder so was kommt wie "Er hat sich da wohl etwas an Peter Alexander und Iron Maiden und einem Schuß Zillertaler Schürzenjäger mit Modern Drinking orientiert…", sag ich lieber selber, was da (hoffentlich) zu hören ist:
Ich habe zwei Trommler seit jeher vergöttert, das waren und sind immer noch Cozy Powell und Ian Paice. Und ich versuche immer noch, einen Kompromiss zwischen der technischen Finesse und dem Spielfluß von Ian Paice auf der einen und Cozy's enormem Druck und seiner Kraft auf der anderen Seite zu finden. Naja, hört selber mal rein (Colin Hodgkinson hat übrigens sehr viel mit Cozy und Ian gespielt, und von Zeit zu Zeit erzählt er mir davon. Ich hab' auch vor, darüber irgendwann mal separat zu schreiben). Wenn's euch gefällt, lasst's mich wissen. Wenn nicht, lässt sich bestimmt irgendwo wieder jemand finden, der die Musik erfunden hat und mit dem sich das dann ausdiskutieren lässt…

Alsdann, bis die Tage

Steff