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13. Dezember 2004
SPENCER DAVIS GROUP
THE BOWL OF SOUP - TOUR
Eigentlich sollte man doch glauben, daß es sich mit
dem ICE bestimmt recht angenehm zum Gig fahren läßt, oder? So
war's auch. Bis sich in Nürnberg diese junge Dame mit dem stieren
Blick zu mir gesellte. Früher hieß das "Entschuldigung, ist
hier noch frei?". Heutzutage sagen die nichts mehr. Die hocken
sich einfach hin und glotzen. Aber ich weiß jetzt auch warum: Es
liegt an der "Musik", die die hören. Zunächst war ich
der Meinung, daß das Mädel Geschmack beweist, weil unter ihrem
Kopfhörer ein Steve Winwood Song rausdonnerte, aber da hatt' ich
wohl die Rechnung ohne die Musikindustrie gemacht.
"Valeriiiiiiie, call on me, Valeriiiiiiie, call on me...."
hat ein "Diiie Dschäi" "gesampelt", wie's so
schön heißt, und die Dame neben mir im Zug hat's wahrscheinlich
"downgeloaded" und zwanzig Zentimeter neben meinem linken
Ohrwaschel "performt". Oder "performen" lassen
von ihrem "MP3 Player", wie die Kassettenrekorder
heutzutage heißen. Das "Lied" hat vom Text her gesehen
aus sage und schreibe einer einzigen Zeile bestanden und, glaubt's
oder glaubt's nicht, ungefähr eine dreiviertel Stunde gedauert. Vor
zwanzig Jahren noch gab's da ein "...fade out", wenn eine
Zeile am Schluß wiederholt wurde, d.h. der Song wurde am Schluß
immer leiser und schließlich ganz ausgeblendet. Heutzutage machen
die Spinner das andersrum: Die lassen den ganzen Song weg und setzen
erst beim "...fade out" am Schluß ein. Ohne auszufaden
halt. Mit dem Ergebnis, daß einem ein und dieselbe Zeile 45 Minuten
lang um die Ohren fliegt. Nach einer halben Stunde vermutete ich
dann naiverweise das Ende der chinesischen Folter, weil das
Geschepper dann schließlich doch immer leiser wurde. Wieder falsch.
Als es aus war, ging's wieder los. Umgekehrt halt, am Anfang leise
und dann immer lauter. Da wundert's einen dann doch nicht, daß die
jungen Hüpfer alle nicht mehr richtig sprechen können und bloß
noch vor sich hin glotzen. "Ist hier noch frei" würde
wahrscheinlich, sollten die sich doch irgendwie äußern können,
"gerappt" werden und klingen wie "Aah. Aaaha. Uuh,
aha, mmmh, mmmh..!". Ich bin jetzt überzeugt: Die Ergebnisse
der Pisa-Studie und die Verkaufszahlen der deutschen Musikindustrie
stehen in direktem Zusammenhang!!
Der Himmel war gnädig und ließ mich in Freiburg am Bahnhof
aussteigen. Wenn einer von euch "Valeriiiiiiiie" (die mit
"Call on me") vielleicht mal trifft, schönen Gruß von
mir: Sie möcht' mich bitte nicht anrufen. Mir langt's....
Der Gig in Freiburg war richtig gut. Auch die
dortige Gulaschsuppe, die dann auch für den Tournamen herhalten
musste (Miller taufte das ganze Unternehmen "The Bowl Of Soup -
Tour"...). Wäre da auch noch ein Drumset gewesen, das einen
solchen Namen verdient, hätt's durchaus noch schöner sein können.
Es ist mit den gemieteten Orgeln und Schlagzeugen immer ein bißchen
so, als würde man Michael Schuhmacher buchen, ihn in einen Trabant
setzen und von ihm erwarten, daß er ein Formel Eins Rennen damit
gewinnt. Und wenn der das nicht schafft, dann ist man aber
fürchterlich enttäuscht. Schließlich ist das doch der Michael
Schuhmacher und der gewinnt doch sowieso....
Beim zweiten Gig in Rastatt fiel die Band dann allem
Anschein nach nicht unter das, was ein Oldie Publikum sich als Oldie
Band bei einer Oldie Nacht unter einem Oldie Himmel so vorstellte.
"Die Hände zum Himmel, kommt lasst uns fröhlich sein..."
wäre da glaub' ich eher angesagt gewesen. Die angemietete Backline
entsprach wieder dem Niveau des Abends: Eine Orgel, aus der nichts
rauskam, und ein Schlagzeug, zu dem's keine Becken gab. Naja, nicht
ganz: Zwei waren es dann schon, ein Ride und ein Crash waren schon
da. "Auntie Antje", unsere Fahrerin, die uns anschließend
nach Essen brachte, rettete die Veranstaltung mit Hilfe einiger
selbst gebunkerter Flaschen besten Weizenbieres...
In Essen war unter vielen anderen Bands auch Brian
Connolly's Sweet mit von der Partie. Leider aber auch zwei Jungs in
rosa Rüschenhemdchen, die in guter altdeutscher Schlagermanier die
Umbaupausen überbrückten (Blöderweise konnte ich keine Bilder
machen, meine Kamera hat gestreikt). Man stelle sich vor: THE SWEET
beendeten ihren Auftritt mit einem fulminanten und donnernden
"Ballroom Blitz", und nach einer kurzen Unterbrechung von
ca zwei Sekunden rannten die rosa Rüschenhemden, das eine von
rechts und das andere professionell von links auf die Bühne und
gaben die "Biene Maja" von Karl Gott zum Besten.
Gibt's doch gar nicht? Doch! War so! In der Grugahalle in Essen. Da
wo der Rockpalast seinerzeit fröhliche Urständ feierte. Einer hat
die Diskette ins Keyboard geschoben und der andere hat's gesungen.
Bestes Bild! Die Mischung macht's halt, gelle? Immer, wenn du
gedacht hast, du hast schon alles gesehen, kommt so eine Gewalt
daher und drückt dir deinen letzten Idealismus tief in deine
Turnschuhe. Zum Mäusemelken! Gepaart mit drei Tagen ohne Schlaf
zeigen einem solche Erlebnisse halt auch immer, warum man's
eigentlich macht.
Brian Connolly hat das Gott sei Dank nicht mehr miterleben
müssen...
Naja, was soll's. Machen wir Schluß, es ist spät.
Halt! Was Lustiges noch: Eddie Hardin hat tatsächlich versucht, das
Rauchen aufzugeben. Er hat sich dazu eine Packung Nikotinkaugummis
gekauft. Mit dem Ergebnis, daß er schließlich beides gemacht hat:
Geraucht und gekaut!
Bis die Tage
Steff |