| Februar 2006 |
| London? Offenbach! Es gibt sie noch: Yardbirds, Pretty Things & Spencer Davis Group |
| Ein Konzert mit den Yardbirds, den Pretty Things und der Spencer Davis
Group? Mann, das wäre im Swinging London 1965 DAS Ding gewesen - aber in
Offenbach 2005? Spielen die vom Veranstalter, dem Oldiemagazin Good Times,
als "Giants of Rhythm'n'Blues" angekündigten Bands - was sie
zweifelsohne waren - heuer nicht bloß noch in der zweiten Liga? Was ist
nach Auflösungen, Comebacks, Wiederauflösungen und Wieder-Comebacks zu
erwarten? Und: Darf sich ein Quintett, in dem bloß noch zwei
Originalmitglieder spielen, überhaupt noch "The Yardbirds"
nennen?
Die erste Überraschung im Offenbacher Capitol: Arthur Brown. Arthur wer? The Crazy World of Arthur Brown, wie er sich früher nannte, das Ein-Hit-Wunder mit dem Hammondorgel-Inferno Fire, ist immer noch, oder besser gesagt, wieder unterwegs. Der waldschratige Schockrocker, einst mit Feuerkrone und anderem Brimborium auf der Bühne, steht in Schlabberhemd und -hose da, nur von einem Akustikgitarristen begleitet, und gibt zu Songs wie Dylans A hard rain's a-gonna fall den Stimmakrobaten. Die Yardbirds dagegen sind eher eine Enttäuschung. Zugegeben, der neue, erst 20-jährige Sologitarrist Ben King, der in dieser Position die Nachfolge von Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page antritt, ist ein Flinkefinger. Aber sein allein auf Schnelligkeit zielendes Gitarrenspiel wäre besser in einer Hardrockband aufgehoben. In den psychedelischen Songs Shapes of things oder For your love sind sein Finger-Tapping und andere Gimmicks Störkörper. Zweite Überraschung: The Pretty Things. Die Band wird unverdienter Weise selten in einem Atemzug mit den Stones, Who oder Kinks genannt, obwohl sie die böseste, düsterste war. Sänger Phil May und Gitarrist Dick Taylor trugen schon Mitte der 60er, als die anderen noch brav Pilzköpfe hatten, langes Hippiehaar. Das ist heute grau und licht, aber Strickjackenopis sind sie noch lange keine. Drummer Skip Allen demoliert gar am Ende wie zu seligen Sixties-Zeiten sein Schlagzeug und taucht mit der Stand-Tom ins Publikum ab, drischt berserkerhaft auf sie ein, während er besessen immer wieder "down, down, down" brüllt. Von wegen high. Nach diesem Auftritt nimmt sich die Spencer Davis Group wie eine Gute-Laune-Combo aus. Mehr ist sie auch nicht an diesem Abend. Sie spielt - mit Spencer Davis an der Orgel und Colin Hodgkinson am Bass - ein schnörkelloses Set, inklusive der Hits Keep on runnin'', I'm a man und Gimme some lovin''. Von FRANK SCHUSTER |
| November 2005 |
| Bad Segeberg: Spencer Davis Group rockt und rollt wie in alten Tagen |
| Bad Segeberg - "Keep on running" als Programm: Spencer Davis und seine Band wurden in Bad Segeberg regelrecht umjubelt. Erstmals hatte Manfred Kabatnik, Veranstalter so manches gediegenen Frühschoppens und von Abendkonzerten mit Blues, Rock und Blues-verwandtem, die angestammte Tribüne gescheut und die (größere) Halle von Kaben-Wintergärten in der Jasminstraße gewählt - ein Entschluss, der sich lohnte. Zwar war der erste der beiden Abende mit der Spencer Davis Group nicht völlig ausverkauft - doch dieser Abend war nötig, weil die Karten für den Freitag eben sofort weg waren. Ein begeistertes Publikum an beiden Abenden war der Dank. "Keep on running", "Gimme some lovin'", "I'm a man": Natürlich mussten die Segeberger nicht auf die alten Hits der Gruppe verzichten. Mit dem "Keep on running", schon eine Art Erkennungsmelodie, eröffnete das Quintett gleich den Abend. Doch Spencer Davis - das ist eben mehr, das ist keine Band, die ausschließlich aus ihren Wurzeln in den 60-ern zehrt. Die Musik von einst wird druckvoll herüber gebracht, und so manchem Solo und jedem Arrangement ist anzumerken, dass die Zeit für den Briten und seine Band nicht stehen geblieben ist. Das beweist allein Colin Hodgkinson am Bass. Er ist natürlich nicht Ur-Mitglied der Gruppe, für die damals Muff Winwood - Bruder des legendären Keyboarders und Sängers Steve Winwood - die vier dicken Saiten bediente. Andere folgten; doch als Hodgkinson in den 90-ern einstieg, hatte Davis auf einmal einen wahren Bass-Virtuosen in seiner Band. In Bad Segeberg bewies Hodgkinson, was aus dem simplen "San Francisco Bay Blues" werden kann, benutzt man den E-Bass souverän als Rhythmus- und Melodieinstrument gleichzeitig. Dazu der altvertraute Eddie Hardin ("I'm a man") an der Hammondorgel, der versierte Miller Anderson an der Sologitarre und Steffen Porcell am Schlagzeug, den der gelernte Deutschlehrer Spencer Davis als "unsere Geheimwaffe aus Bamberg" vorstellte: Eine rundum zueinander passende Combo, die alles drauf hat - die alten Hits ebenso wie etwa "Spoonful" von den Cream, vor allem aber Blues, Blues und nochmal Blues. Die Segeberger waren begeistert von einer Band, die ihr Gesicht über die Jahrzehnte mehrfach wandelte, die ihrem Stil Dank Spencer Davis selbst aber stets treu blieb, ohne dabei in den Dornröschenschlaf zu fallen. Nach dem Ausstieg von Steve Winwood konnte man es sich einst leisten, den noch unbekannten Elton John als Keyboarder abzulehnen. Dagegen gab es die Phase zwischen 1969 und 1973, als die Band praktisch nicht existent war. Daran denkt heute keiner mehr: Es rockt und rollt wie einst - keep on running. Von Lothar Hermann Kullack, LN |
| 04.05.2005 |
| Spencer Davis Group live im Stadtgarten Bünde |
| Klar, die Spencers nimmt man gerne mal so mit. Ob im kleinen Club oder
auf dem Marktplatz des Kreisstädtchens - ihre Hits der Sechziger und
einen Schuss R&B lässt man sich gerne mal von ein paar Veteranen aus
den Boxen wehen... Im Bünder Stadtgarten war die Szenerie spannender als
üblich. Zuschauer im vierstelligen Bereich, ausverkauft, und eingebettet
in die Woodstock-Legenden Iron Butterfly und Ten Years After. Hatten deren
Hippie-Fans auf diese Beat-Blues-Band gewartet?
Sie hatten! Tosender Eröffnungsapplaus, und Spencer tat gut daran, der Menge gleich "Keep On Running", seine erste Nummer 1 anzubieten: Genüsslich dessen Gitarrenriffs reingebraten - und er sang das Ding gerne und beherzt - die meisten machten mit. Weiter mit Boogie: Davis' "Don't Want You No More" coverten einst sogar die Allman Brothers, und bei den Twin-Lead-Gitarren-Passagen - hier zwischen Spencer und Miller Anderson - weiß man auch genau, warum. Schnell wird aber klar: das einzige und namensgebende Originalmitglied der Spencer Davis Group zieht hier keine Ein-Mann-Show ab: Den zweiten Hit der 60's-Truppe, "When I Come Home", sang bereits Miller, ebenso wie die unvergessene Ballade aus Beat-Soul-Zeiten, "Every Little Bit Hurts", 1965 ihre zweite Chartnotierung. Der Chef verkündete bald in bestem Deutsch - seine Lehrerzeit in Berlin-Schöneberg ist ja als frühe Single dokumentiert: ´Ich hab' wirklich Schwein gehabt, denn ich arbeite mit dem besten Bassisten der Welt - Colin Hodgkinson!´ Der ist allemal ein begnadeter Zauberer auf den vier Saiten, wie er bei seiner unverzichtbaren Soloeinlage "San Francisco Bay Blues" mit viel Bass-Akrobatik zeigte. Colin bekam begeisterte Ovationen - "standing" wäre irreführend gewesen, da ja sowieso alle standen. Und Hodgkinson weiß aus seiner langen Zeit bei Alexis Korner - nach bester Manier des Britblues-Vaters umgibt sich auch Spencer stets mit potenten Talenten, freut sich als Qualität stiftender Moderator. Beim alten John-Lee-Hooker-Hacker "Dimples" - mit minimalen Abweichungen zu Hookers "Boom Boom", glänzte das Ensemble Spiel aller: Drummer Stefan Porzel hat sich in seinen zweieinhalb Jahren mit der Band als präziser und aufmerksamer Könner bewährt, und der vokale Blues- und Balladenkönig Eddie Hardin - bereits Ende 1966 schonmal für den Traffic-Gründer Steve Winwood eingestiegen - lässt neben gelegentlichen Melodien in McCartney-Qualität seine Hammond XB-2 über Spencers und Millers Gitarrenriffs wabern, dass es eine Freude ist. - "Somebody Help Me" schrieb Jackie Edwards, und der hat mit Mungo Jerrys Ray Dorset zusammen gearbeitet - mit diesem Fetzen Rock History bat Spencer tatsächlich den Original-Mungo auf die Bühne: ´Where are you, Ray?´ Dorset lebt im nahen Bielefeld und ließ sich nicht lange bitten, den zweiten SDG-Pole-Position-Gassenhauer ihrer Chartgeschichte sangen aber an diesem Abend eigentlich alle mit. Miller Anderson sorgte für's Kontrastprogramm: Der Keef Hartley Band, Savoy Brown und Mountain-Veteran brachte eine köstlich genäselte Dylan-Persiflage des von Bob entdeckten Folksongs "House Of The Rising Sun", nur um das Ding dann inbrünstig "richtig" zu singen, und zum Glück in der völlig von Eric Burdon abweichenden Version des Miller-Albums BLUESHEART. Das anschließende Schlagzeug-Gewitter und eine geradezu fräsende Hammond auf Gitarrenteppich läutete ein Stück SDG-Jazzrock von 1967 ein, auf dem Chicago aus Chicago eine ganze Karriere aufbauten: "I´m A Man" - Eddie Hardins dramatischer Gesang war hier wieder mal dem Steve Winwoods ebenbürtig; Eddies entscheidende Rolle bei dieser Nummer wurde ´nur´ vom Soundmixer verschlafen, der die dürftige Anlage des Stadtgartens fuhr - vorne Knall, hinten Hall. Jetzt durfte der Adrenalin-Pegel nicht absacken, und das war auch mit "Gimme Some Lovin´" nicht gut möglich. Ein weiterer Killer-Riff aus Äxten und Orgel - mittendrin setzte Stefan Porzel noch sein eigenes Drumsolo auf das legendäre "In-A-Gadda-Da-Vida"-Feuer der Einheizer Iron Butterfly, nur dass Porzels Einlage mehr Biss, Witz, Technik und ausgefuchstere Dynamik besaß. Eine Zugabe war eigentlich nicht vorgesehen - so gab die vom Publikumsvulkan ins Auditorium zurückgesogene Spencer Davis Group nochmal kurz "Keep On Running", und in bester Alexis-Art ließ der Oberspencer nun Miller Anderson singen. Diese Band-Performance zeigt bei aller Brillianz: Nostalgie reicht nicht, eine solche Formation hat ein neues Studioalbum verdient - und in sich! Uli Twelker |
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12.07.2004 |
Musikalisches Klassentreffen |
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Die Bamberger Allstars zeigen Vielfalt der Musikszene auf |
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| Nicht nur auf der
Bühne, sondern auch im Publikum fühlte man sich wie bei einem
Klassentreffen: Die einen hat man lang schon nicht mehr gesehen, die
anderen zuletzt irgendwo in „kleiner Besetzung“ in der Stadt, aber nie
so alle zusammen. Freilich waren auch nicht wirklich alle da, doch
immerhin fanden sich an die zwanzig der besten Bamberger Musiker im Forum
ein, um einmal gemeinsam die Bandbreite der Musikszene des Bamberger Raums
im Genre Rock bis Pop über Country, Reggae, Funk und Soul aufzuzeigen.
Initiator und Mastermind Rupert Aumüller brachte die Musiker zusammen und spielte selbst auf der Bühne als Gitarrist und Sänger in großer Besetzung seine Qualitäten voll aus. Nur an zwei Tagen hatten sie zuvor im Live Club in dieser Besetzung geprobt und trotzdem klappte alles wunderbar. Bedauern zeigten alle Seiten nur darüber, dass die Veranstaltung nicht – wie ursprünglich geplant – als Open Air im Hain stattfinden konnte. Gewittersturmwarnung und Raupenplage machten einen Strich durch die Rechnung, obwohl es zum Zeitpunkt des Auftritts in der Halle draußen gar nicht so schlecht aussah. Dies mag vor allem der Grund sein, dass sich nicht einmal 300 Leute in der Arena des Forums verloren, das beispielsweise bei Bryan Adams oder den Ärzten schon an die 6000 Menschen fasste. Musikalisch brauchten sich die Musiker dieses Abends freilich nicht hinter den großen Namen verstecken. Diese Band der Bamberger Bandleader, die es sonst so gar nicht gibt, wusste das Publikum mit einem fantastischen Programm mitzureißen und mit solistischen Einlagen immer wieder zum Staunen zu bringen. Volker Wrede vom Live Club verstand es mit seiner Licht- und Tonanlage hervorragend, die einzelnen Musiker optisch und vor allem akustisch voll zur Geltung zu bringen. Es liegt also mehr am Mixer als an der Halle, wenn der Sound nicht immer so gut rüber kommt. An diesem Abend lag der besondere Reiz außerdem in der ständigen Variation der Besetzungen und Stile. Den Grundstock lieferten an der Seite Aumüllers, Uwe Gaasch in der etwas ungewohnten Rolle als zweiter Sänger und Percussionist, Solo-Gitarrist Norbert Schramm und Keyboarder Stefan Stössel, der vor allem den einzigartigen Klangteppich mit seiner Hammond-Orgel bei Sixties-Nummern wie „Feelin´ Allright“ legte. Am Schlagzeug wurde Steff Porzel, zuletzt „Ersatz“ für Pete York bei der legendären Spencer Davis Group, später von Steff Hänisch abgelöst, der ansonsten zwischen Wolfgang Buck und der Capella Antiqua sein vielfältiges Können unter Beweis stellt. Die Auswechslung am Bass spielte sich zwischen Steve Hyde und Hubertus Funk ab, der zur Pause noch den fliegenden Wechsel zum Coburger Sambafest machte. Zwischendrin gesellten sich Peter Metzner mit seiner „Fresh Cream“-Gitarre und Eddy Deckert mit seiner Blues-Harp dazu. Abwechselnd gaben sich die Vokalisten das Mikrophon in die Hand oder sangen drei- bis vierstimmig im Chor: Rupert Aumüller als facettenreicher Rock-„Brother“, Uwe Gaasch als bestechender Funk-Shouter, Benschi als unverwechselbarer „Soulman“, Johanna Grimm als Soul-Diva und Annette Heinrichs als Country-Lady mit Fiddle. Und immer wenn der Funk in den Vordergrund rückte, mischte sich die gewaltige Bläsersection der Keller Mountain Blues Band ein. Ganz eigene Interpretationen großer Titel aus vierzig Jahren Musikgeschichte des Rock und Pop von Jimi Hendrix bis Bob Marley, Stevie Wonder bis George Benson kamen dabei zu Gehör und wurden begeistert vom Publikum aufgenommen: „Ihr seid ´ne geile Band!“ Das Kompliment kam postwendend von der Bühne zurück und äußerste sich akustisch nach einem musikalischen Feuerwerk von zweieinhalb Stunden in mehreren Zugaben. Einer der eigentlich auch zu den Bamberger Allstars gehört, sollte erst am nächsten Tag im Forum auftreten: Uwe Bossert hat mit Reamonn den Sprung in die Charts geschafft. Zwei, die eigentlich auch dazu gehört hätten, weilen nicht mehr unter uns: Gitarrist Ernst Kroker und Sängerin Annie Buddie. Andere hatten eigene Verpflichtungen an diesem veranstaltungsreichen Wochenende und außerdem würde der Platz auf der ohnehin schon großen Bühne gar nicht mehr ausreichen. Dennoch gab dieser Abend einen repräsentativen Querschnitt durch die
Vielfalt der heimischen Musikszene. Das Konzert der Bamberger Allstars war
musikalisch ein voller Erfolg, der wahrlich mehr Publikum verdient hätte. Helmut Ölschlegel |
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07.06.2004 |
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Grandioser Auftritt der Spencer Davis Group
Offenbach, den 07.06.2004 • Simone Kaucher |
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Mit ihrem grandiosen Auftritt übertraf
die Spencer Davis Group am Samstagabend alle Erwartungen der wahrlich
qualitätsverwöhnten Offenbacher Oldie-Fans. 6000 bis 8000 Zuschauer
gerieten vor der Hauptbühne im Stadthof schier aus dem Häuschen, als
die Rocklegende gleich zu Beginn ihren Welthit "Keep on running"
anstimmte. Die ganze Band liebe Deutschland, fühle sich Deutschland stark verbunden, so der Musiker, der selbst nahezu fließend Deutsch spricht und es als "seine zweite Muttersprache" bezeichnet. Berlin, vor allem Schöneberg, sei so etwas wie seine zweite Heimat. Er selbst habe sich sogar vorstellen können hier zu leben, aber seine Frau und seine beiden Töchter seien dazu nicht bereit gewesen. Spencer Davis ist zweifellos der Star. Er gründete die Band 1963 in Birmingham und von der Ursprungsbesetzung ist er als Einziger übrig geblieben. Dass es ihm dennoch gelungen ist vier exzellente Musiker um sich zu scharen, beweisen diese mit hervorragenden Soli - allen voran der Schlagzeuger Steff Porcell, der übrigens aus Bayern kommt.
Gitarrist Miller Anderson, der 2000 mit Deep Purple auf Welttournee war, überzeugte auch als Sänger. Und mit seiner Virtuosität und seiner sympathischen Ausstrahlung eroberte Bassist Colin Hodgkinson die Herzen des Offenbacher Publikums. Einige seiner Soloeinlagen wurden begleitet von Eddy Hardin am Piano. Ihm, so Spencer Davis, falle die schwerste Rolle zu. Schließlich sei er der Nachfolger des großen Steve Winwood. An ihn erinnerte sich Spencer Davis auch im Interview. Mit Winwood zusammenzuspielen sei sehr aufregend gewesen. Die Spencer Davis Group, die derzeit eine Tournee durch England
absolviert, war am Samstag eigens für den Auftritt bei der Offenbacher
Woche nach Deutschland gekommen.
Das Publikum in Offenbach spürte eben: Das sind keine abgeklärten Typen, die einfach nur ein Programm nach "Schema Eff" abreißen. Die Spencer Davis Group, das sind fünf absolute Profis - mit viel Erfahrung auf der Bühne und mit viel Leidenschaft. Was ist das für ein Gefühl, auf der Bühne zu stehen nach all den Jahren im Musikgeschäft? Die Antwort des Altmeisters fällt simpel aus: "Ich würde es nicht tun, wenn es keinen Spaß machen würde. Ich liebe die Musik und ich liebe den Blues."
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| Bremen - März 2004 |
| Seit 40 Jahren auf Tour und kein bißchen müde |
| Live- Konzert vom Feinsten: Die Mitglieder der Spencer Davis Group
sind auch brillante Solisten |
| Von unserem Redakteur Peter Erdmann |
| Worpswede. So schön kann Musik sein – vom Rock ‚n‘ Roll über
Blues, Rock und Folk bis hin zu einem psychedelischen Stück. Die Spencer
Davis Group war am Sonnabend nach 1998 (zwei Mal), 1999 und 2001 zum
fünften Mal in der Music Hall, und das Quintett um den 64 Jahre jungen
Bandgründer aus Wales, der seit 33 Jahren in Kalifornien lebt,
begeisterte zwei Stunden lang mit einer tollen Bühnenshow ihr Publikum.
Gut 360 Gäste waren’s allemal.
Mit ihrem Intro machte die Band kurz vor halbzehn deutlich, was die Fangemeinde erwartet: Mit ‚Keep On Running‘ ging’s los und mit demselben Stück als Zugabe endete das Konzert. Dazwischen – nur durch eine kurze Pause unterbrochen – wurden all die bekannten Oldies, aber auch neuere Stücke sowie immer wieder Soli von den fünf Vollblutmusikern gespielt – Von „When I Come Home“ über „Don’t Want You No More“, „Every Little Bit Hurts“ und „Love Is On A Roll“ bis hin zu dem Hooker – Blues „Dimples“ und dem Elvis Presley Song „Party“. Di Band firmiert zwar schon seit Über 14 Jahren als Spencer Davis Group, doch auf der Bühne macht der Namensgeber immer wieder deutlich, daß er nur „Erster unter Gleichen“ ist. Davis bezeichnete Colin Hodgkinson, der schon bei Alexis Corner, Emerson, Lake & Palmer und Whitesnake mitspielte, als „besten Bassisten der Welt“. Der stellte besonders mit dem San Francisco Bay Blues seine Klasse unter Beweis. Top als Solist war auch der Schotte Miller Anderson mit Folk und dem „Bad Time Blues“. Seinen Kollegen seit den 80er Jahren begleitete Spencer Davis dabei auf der Mundharmonika. Eddie Hardin ist schon seit 1967 bei der Gruppe. Damals bewarb sich auch ein gewisser Elton John um diesen Job. Sensationell waren Hardin’s Auftritte im Duett mit Pete York, so auch ihr Auftritt beim letzten Konzert im Hamburger Star Club. „Kleinste Big Band der Welt“ nannte man sie. Daß er nicht nur ein exzellenter Keyboarder ist, sondern auch Stimme hat, stellte er bei „Let’s Have A Party“ unter Beweis. Mehr als ein Pete-York Ersatz war auch Drummer Steff Porcell. Tosenden Applaus bekam der Franke nach seinem Solo in „I’m a man“. Chef der Gruppe ist seit inzwischen 40 Jahren Spencer Davis, der mit Nachnamen eigentlich nach Waliser Version Davies heißt, wie er vor dem Konzert in einem Gespräch betonte. Der dreifache Vater und inzwischen vierfache Großvater – die jüngsten Enkelkinder sind gerade sechs Monate alt – studierte 1962 an der U in Berlin Germanistik und wollte eigentlich in Kanada Philosophie promovieren. Aber Ende 1963 kam alles ganz anders. In Birmingham gründete der Deutschlehrer an einer Sprachschule und Strassenmusiker gemeinsam mit den Winwood Brüdern Steve und Muff sowie Pete York eine Band. Kurze Zeit später waren „Gimme Some Lovin“, „Keep On Running“ und „Somebody Help Me“ weltweit die Nummer - 1 – Hits. Die Spencer Davis Group spielte damals in derselben Liga wie die Beatles, Rolling Stones und The Who. Zwischen 1963 und 1968 verkaufte sie über acht Millionen Tonträger. Schon seit 1981 lebt der Profi – Musiker mit seiner Familie in dem Dorf Avalon auf der Insel Catalina an der US Pazifikküste. Von Anfang an dabei war auch Schlagzeuger Pete York. Doch auf der
aktuellen Tournee, die am Freitag in Isernhagen bei Hannover begann und
noch bis zum 24. Und 25 April dauert (Konzerte in Wien und den
Niederlanden) dauert, fehlte er. Davis zufolge ist der „alte Kumpel“,
der bei München lebt, zur Zeit mit Helge Schneider auf Tour. Endgültige
Trennungsgerüchte bezeichnete er als „Quatsch“. |